Besser sagste nix oder was anderes BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

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Besser sagste nix oder was anderes

Petra Schächtele

23.06.2016 ·  Wir alle haben schon unfaire Fragen gestellt bekommen. Und der Versuch darauf zu antworten war meist nicht von Erfolg gekrönt. Reingefallen! Warum überhaupt antworten? Es steht uns doch frei eine Frage oder Erwartung zu ignorieren. Petra Schächtele verrät, wie wir mit dem unbändigen Wunsch zu handeln umgehen und das Gesrpäche ausklingen lassen oder ihm eine ganz neue Richtung geben.

Petra Schächtele

Petra Schächtele-Philipp ist Deutschlands »Expertin für die elegante Schlagfertigkeit«. Wie Schlagfertigkeit einfach geht, vermittelt sie in Trainings, Vorträgen und als Bloggerin. Die studierte Informatikerin, Rhetorikerin, Soziologin und Autorin lebt in Stuttgart.  » http://www.mindspots.de

»Gesegnet seien jene, die nichts zu sagen haben und trotzdem den Mund halten.« (Karl Valentin (1882–1948), Humorist)

Sie bekommen eine unfaire Frage gestellt? Wer zwingt Sie eigentlich, darauf auch zu antworten? Wer genau erwartet von Ihnen, dass Sie tatsächlich in die Falle treten, die Ihnen Ihr Gegenüber gerade gestellt hat? Faktisch sind Sie frei, eine Frage oder eine Erwartung zu ignorieren. Gerade stilleren Menschen fällt die Methode ›Übergehen, vernebeln‹ jedoch schwer. Ihr Charakter bringt es mit sich, dass sie jede Frage sachgerecht beantworten möchten.

Was können Sie also tun, wenn Ihr Wunsch, im Gespräch zu handeln, überhand nimmt? Nehmen Sie zunächst jede Äußerung der anderen Person als ein Gesprächsangebot, das Sie annehmen oder genauso gut ablehnen können. Sie können, statt zu schweigen, auch einfach ein neues Thema beginnen und das Gespräch in eine dritte, beide Seiten das Gesicht wahrende Richtung lenken.

Ein herrliches Beispiel hierzu finden Sie wieder bei Loriot in dem bekannten Zeichentrickfilm Das Interview oder Pneumatische Plastologie. In dem Film möchte Herr Gilling den Lehrstuhlinhaber für Pneumatische Plastologie, Professor Heubl, live im Studio interviewen. Noch muss er jedoch auf den Beginn der Sendung warten. Und die beiden überbrücken die Zeit mit einem absurden Dialog:

Der Herr links: »Meine Frau ist ein Steinbock.«
Der Herr rechts: »Ich habe einen Langhaardackel.«
Der Herr links: »Ich bin Fisch. Steinbock und Fisch geht ganz gut.«
Der Herr rechts: »Früher hatte ich zwei Langhaardackel, das ging überhaupt nicht …«

Die beiden greifen jeweils ein Stichwort des anderen auf und erzählen dann von etwas ganz anderem. Da unser erstes Ziel immer ist, den anderen aus seiner Denkrinne zu holen, ist es auch ein legitimes Mittel, das Gespräch auf diese Weise umzulenken. Dann sagen Sie beim nächsten Mal in einer ähnlichen Situation beispielsweise: »Oh, wo ich gerade diese Topfpflanze sehe, ist Ihnen auch schon aufgefallen …«

So wie beim Plastologie-Interview jeder seine eigene Geschichte erzählt, können auch Sie in einem Gespräch jederzeit ein neues Thema anfangen. Aber übertreiben Sie nicht: Wie bei manchem Gift, das in geringen Dosen heilt, in hohen Konzentrationen aber tödlich wirkt, ist es auch bei dieser Schlagfertigkeitsmethode.

Andere Möglichkeiten, den Gesprächsverlauf umzulenken sind: Überlegen Sie, wofür Sie der anderen Person ein Kompliment machen oder wie Sie sie loben können. In der Regel wird Ihr Angreifer darauf ziemlich baff sein. Für einen verbalen Übergriff ein Lob zu bekommen – solch eine Reaktion muss einem erst einmal einfallen. Und dann muss man sie auch noch elegant hinbekommen. Mögliche Einleitungen dafür sind:

»Sie kennen sich sehr gut aus …«
»Da spricht langjährige Erfahrung.«
»Ich bewundere Ihre sprachliche Darstellung.«

Auch dadurch halten wir natürlich wieder unseren Abstand.

Bringen Sie Fragen oder Bemerkungen Ihres Gegenübers aus der Fassung? Übergehen Sie diese einfach! Zur eleganten Schlagfertigkeit gehört auch die Fähigkeit, gar nicht erst zurückschlagen zu wollen. Lassen Sie Gesprächspartner, die versuchen, Sie auf die Palme zu bringen, einfach am langen Arm verhungern. Die Provokationen werden dann schnell aufhören.

Gegen dumme Bemerkungen hilft, sich noch dümmer zu stellen. Setzen Sie Ihre Intelligenz lieber in Situationen ein, in denen auch wirklich intelligent kommuniziert wird. Da lohnt es sich. Wir können andere Menschen nicht verändern, sondern immer nur uns selbst. Aber wir können eine Situation immer ändern – und zumindest unsere Reaktion daran anpassen.

Teilantworten und Schlüsselworte

Genauso wie ein ganz anderes Thema zu beginnen, können Sie auch nur einen Teil der Aussage oder auch nur ein Wort des anderen nehmen und darauf antworten. Überhören Sie den Rest einfach!

»Sie reden ja nur Schrott!«
»Woher wissen Sie das? Haben Sie beruflich viel mit Schrott zu tun?«

»Herr Ober, haben Sie immer so schlechtes Bier?«
»Nein. Dienstags haben wir Ruhetag.«

Einige Schlüsselworte lassen sich auch direkt mit Antworten verdrahten. Nehmen Sie zum Beispiel das Wort ›müssen‹, das mit ›tue ich gerne‹ oder ›mache ich freiwillig‹ verbunden werden kann. Ein Beispiel aus dem Parlament. Ein Abgeordneter sagt zu einem anderen: »Müssen Sie immer schlafen, während ich rede?« Darauf antwortet der: »Nein, das mache ich freiwillig.«

Oder das Schlüsselwort ›glauben‹. Darauf wird Ihnen ab sofort einfallen: »Das glaube ich nicht nur, das weiß ich.«

»Sie glauben wohl, wenn Sie dem Chef nach dem Mund reden, machen Sie hier Karriere.« Antwort (verschwörerisch): »Das müssen Sie auch mal probieren. Das funktioniert tatsächlich.«

Überraschende Wendung

Wirkungsvoll ist auch, wenn eine ganz überraschende Wendung angehängt wird. Zu einer älteren Autofahrerin sagt ein Passant: »Sie können ja nicht mal einparken.« Ihre Antwort: »Ich kann vielleicht nicht einparken, aber dafür kann ich Griechisch.« Schild an einer Garderobe: »Nur für Mitglieder!« Darunter hatte jemand geschrieben: »Es dürfen auch Jacken und Mäntel aufgehängt werden.«

Schild vor einer Schule: »Achtung, Schule! Überfahren Sie keine Kinder!« Darunter hatte jemand geschrieben: »Warten Sie auf die Lehrer.«

Wobei Sie auch diese Art der Ablenkung nicht übertreiben sollten. In einem sehr krassen Beispiel fragte eine Seminarteilnehmerin ihren Chef nach einer Gehaltserhöhung. Der sagte darauf: »Gut dass Sie mich erinnern. Ich muss noch Eier einkaufen gehen.« Diese Art der Ablenkung des Chefs ist einfach plump. Zudem hat er Glück gehabt, dass die Frau nicht fragte: »Was haben Ihre Eier mit meiner Gehaltserhöhung zu tun?« So kam er mit seiner Ablenkung durch.

 

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