Das Verantwortungsdefizit in den Chefetagen BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

Werden Sie VIP

Schließen Sie sich 26.000+ Menschen an und abonnieren Sie den gratis BusinessVillage-Newsletter. Gehören Sie zu den Ersten die es erfahren: Exklusive Inhalte. Neue Bücher. Gratis Angebote. Einladungen ...

Gastbeitrag schreiben?

Sie sind Trainer, Berater, Coach und ein Meister Ihres Faches? Sie haben was zu sagen? Dann Nutzen Sie die Chance und publizieren Sie einen Gastbeitrag im BusinesVillage Online-Magazin — Gratis und ohne Risiko aber viele tausend Leser garantiert! Interesse? Dann freuen wir uns auf Ihre Mail an artikel[at]businessvillage.de.

Honorarfreier Content

Sie sind Journalist oder Redakteur und auf der Suche nach Gastbeiträgen, Buchauszügen oder einem/r Interviewpartner(in)? Dann sprechen Sie uns bzgl. einer Verwertungs- bzw. Abdruckgenehmigung an. Diese ist i.d.R. honorarfrei. Ihnen schwebt ein exklusiver Artikel vor? Senden Sie Ihre Anfrage an redaktion[at]businessvillage.de.

Das Verantwortungsdefizit in den Chefetagen

Thierry Ball

31.01.2019 ·  Jeden Tag überleben wir nur. Die Komplexität macht uns kaputt. Das Fehlen der Fachkräfte sägt an unserer Marktfähigkeit. Alles richtet sich nach Kennzahlen. Nur Ergebnisse zählen. Regulatorik und Neustrukturierungen stellen Unternehmenskulturen und -strukturen vor ganz neue Herausforderungen. Obwohl wir wissen, dass wir eigentlich ganz andere interne Themen haben, müssen wir uns gerade mit all dem hier beschäftigen. Ja, wir wissen, wie es auch anders gehen könnte. Aber es traut sich (noch) niemand, das anzupacken. Wir überleben gerade alle nur irgendwie. Den Eisberg in Sicht und mit Vollgas drauf zu.

Thierry Ball

Thierry Ball ist systemischer Coach, der Glaubenssätze, Tricks und Spielchen im Umgang mit sich selbst und mit anderen Menschen entlarvt und stabilisiert. Was er tut, geschieht mit Herz, Verstand und einem hohen Maß an Eigenverantwortung. Das macht seine Prozesse mit dem Klienten reich an Erfolg und absolut authentisch. Das von ihm entwickelte Selfment®-Konzept führt jeden in die (wiederentdeckte) Eigenverantwortung mit dem Fokus, das Leben erfolgreich und bestmöglich autonom zu meistern. 20 Jahre Unternehmenserfahrung bereicherten ihn mit Detailwissen über systemische Wirkungsweisen für eine jetzt klare Sicht als externer Berater und Coach. Seine Kunden führen sich selbst und andere Menschen in selbstverantwortliches Denken und Handeln. » http://www.thierry-ball.de/

Dies ist niemandem fremd. Überall wird von „Druck“ und „Veränderungsängsten“ gesprochen. Wo ich hinkomme ist meist Erschöpfung und Atemlosigkeit erkennbar. Aus dem täglichen Arbeitspensum ist eine Art Überlebenskampf geworden – ein Management by survival, wie ich es nenne. Es ist ein ständiger Kampf ums Über-Wasser-Bleiben. Gehen die Rettungsringe bald aus? Die bloße Angst davor ist längst wahrnehmbar.

Das Angstverhalten in Management und Führung

Unternehmensführung macht früher wie heute niemand nur noch nebenbei. Permanent im Blick zu haben, dass die Umsätze stimmen. Die Verantwortung gegenüber den Mitarbeitern wahrzunehmen. Marktfähigkeit, Innovationskraft sorgen dafür, dass es nie langweilig wird. Es ist ein ständiges Ringen nach Luft, um nicht in diesem Mehr an Arbeit zu ertrinken. Jeder weiß, dass es so nicht weitergehen kann und dieser Überlebenskampf ein Ende haben muss. Jeder kennt das Problem. Und trotzdem macht niemand den ersten Schritt, um das zu verändern. Es geht mit Volldampf weiter auf den Eisberg zu. Der Schmerz scheint noch nicht stark genug. Bloß keine Verantwortungsübernahme für einen potenziellen Kurswechsel.

Führung, Selbstmanagement, Selbstverantwortung – dass all das heute nicht mehr so funktioniert, wie die Jahre zuvor, muss nicht mehr ständig wiederholt werden. In diesen Themen liegt das eigentliche Problem. Und überall dort muss sich was ändern. Blöderweise ist die Verantwortungsübernahme der Konsequenz unabdingbar. Vielleicht auch für etwas geradestehen, schließlich kann niemand mit Sicherheit sagen, ob es funktioniert. Sicherheit, Sicherheit, und nochmals Sicherheit. Also doch lieber erst mal den Kurs beibehalten? Dann kann wenigstens keiner sagen „Du bist schuld!“, wenn der Eisberg gerammt wird.

Die Unterlasser-Mentalität

Natürlich sind Führungsverantwortliche „smart“. Schließlich hat jeder Einzelne seinen Beitrag dazu geleistet, dass das Unternehmen so groß geworden ist. Und es lief ja auch einmal gut. Das Schiff wurde zum Dampfer. Eigentlich sind alle Wissende und haben sich doch bewusst dagegen entschieden, etwas verändern zu wollen. Jeder weiß im Grunde, dass sich Dinge in der Entwicklung verändern. Mitarbeiterführung, strategische Führung, Unternehmensführung – alles ist mittlerweile anders.

Führung hat viele Schlupflöcher gefunden. Führung fährt permanent Ausweichmanöver, um sich herauszureden. All das, um keine Verantwortung zu übernehmen. Um nichts zu verändern. Das Problem ist nicht das, was in der Führung auf uns zukommt. Auch das Scheitern ist nicht das Problem, denn Scheitern und Kollidieren verursachen wir selber. Das Problem ist, wie wir damit umgehen.

Führung versteckt sich hinter Trendthemen

VUKA, Digitalisierung, Agilität ... diese Themen sind nur vorgeschoben. Ich möchte hier nicht im Detail auf jedes einzelne Trendthema eingehen, das haben viele Experten bereits ausführlich getan. Und es geht mir auch nicht darum, weiter Angst zu schüren. Ich möchte vielmehr Klartext darüber reden, was in den meisten Chefetagen im Argen liegt. Es gibt einfach kein Entschuldigen mehr. Es gibt kein Verstecken mehr.

Agilität? Ist doch prima! Schon unsere in Höhlen lebenden Vorfahren mussten agil sein. War die Büffelherde nicht dort, wo man sie erwartet hatte, musste man schleunigst deren Fährte aufnehmen, wenn die Familienmitglieder nicht verhungern sollten. War der Winter einmal härter und dauerte länger, ging es dem besser, der sich im Herbst genügend Vorrat angeschafft hatte.

Die VUKA-Welt fordert ihren Tribut? Hand auf’s Herz: Wann war denn etwas schon einmal ganz genau vorhersehbar? Oder sicher? Oder nicht komplex? Oder starr? Natürlich gibt es permanente Veränderung. Im Laufe der Evolution war das schon immer so. Darum überleben auch immer nur diejenigen, die am besten an ihr Umfeld angepasst sind und Veränderungen trotzen. Darwin sei gegrüßt. Genauso geht es doch Unternehmen schon seit es sie gibt. Warum ist Bertelsmann & Co. an ihrem selbst erschaffenen Eisberg zerschellt? Sie sind stur ihren Kurs gefahren und haben ihn nicht angepasst. Eigentlich müssten diese Megacrashs aus der Wirtschaft reichen und wachrütteln?

Veränderer oder Jammerlappen?

Der Kurs muss korrigiert werden. Darüber sind wir uns einig. Die Frage ist nun: Wie werden wir eine souveräne Führungskraft, die Follower generiert und keine Lakaien? Wie werden wir starke Führungspersönlichkeiten? Was können wir tun, damit wir souverän in unseren Entscheidungen wirken? Was müssen wir tun, um das Gefühl von Klarheit zum einen für unser selber und zum anderen für unser Umfeld zu generieren?

Jeder erlebt, was er denkt

„Diese ganze Komplexität macht mich kaputt.“ Wirklich? Na gut. Wer das denkt, wird genau das erleben. „Wir überleben jeden Tag nur noch.“ Dann beginnt mit großer Sicherheit jeden Tag aufs Neue der ganz normale Kampf. „Unsere Marktpositionierung geht den Bach runter.“ Mit diesem Hintergedanken bei allem, was man tut, kann nichts Positives geschehen. Was passiert? Wir alle erleben genau das, was wir denken. Schon allein der Gedanke in eine Richtung hin zu einer Befürchtung sorgt dafür, dass diese Vorahnung auch Realität wird.

Warum ist das so? Haben wir hier höhere Kräfte am Werk?

Was hier passiert, ist lediglich eine Spiegelung des eigenen Verhaltens. Wer in ein entscheidendes Gespräch mit dem Gedanken hineingeht, sowieso nicht überzeugen zu können, zeigt genau das nach außen. Der Gesprächspartner merkt es, sei es anhand der Mimik, der Gestik oder den gewählten Worten. Das Gesamtbild sagt diesem: Der ist alles andere als überzeugt von dem, was er sagt. Bruchlandung. Chance vertan.

Alles, was wir selbst über uns denken, zeigen uns andere Menschen in ihrem Verhalten uns gegenüber. Im Klartext heißt das: Fällt es uns schwer, Entscheidungen zu treffen, werden wir auch unsere Mitarbeiter nicht überzeugen können, dass das der richtige Weg ist. Sind wir unsicher, ob unser Produkt einem potenziellen Kunden weiterhelfen kann, werden wir den Deal nicht abschließen. Haben wir Probleme, das Unternehmen in Zukunft weiterhin in einer stabilen Marktposition zu sehen, wird jede Idee an uns abprallen, die andere an uns herantragen.

Willkommen auf dem Boden der Tatsachen

Ob etwas passiert oder nicht, ist also abhängig davon, was wir denken. Das bedeutet auch: Denken wir in die Richtung, dass wir sehr wohl etwas erreichen können, wird das auch aktiv diese Richtung beeinflussen. Digitalisierung? Super! Zeigt mir, was ich brauche und wie ich es für unser Unternehmen nutzen kann. Strategische Themen? Gehe ich gerne an, weil ich weiß, dass das unser Unternehmen nach vorne bringen wird. Das Tempo zieht insgesamt an? Ich verschaffe mir Klarheit über die Situation und setze Prioritäten bei der Entscheidungsfindung. Die Dinge nehmen, wie sie kommen und weitergehen! Das ist die Ausrichtung und Fokussierung.

Versteckt euch nicht länger hinter euren Ängsten. Alles unterliegt einem evolutionären Prozess. Es wird immer weiter neue Gesetzmäßigkeiten geben, auf die wir uns einstellen müssen. Findet euch damit ab und wacht endlich auf. Wir befinden uns lediglich auf einer anderen Form der Evolutionsstufe.

Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über die BusinessVillage GmbH. Bitte senden Sie Ihre Nutzungsanfrage an redaktion@businessvillage.de.

Weitere Artikel zum Thema