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Das große Missverständnis in der Gewaltfreien Kommunikation (Teil III)

Markus Fischer

05.03.2020 ·  Das große Missverständnis ist die irrige Annahme, dass allein die Beschäftigung mit der Gewaltfreien Kommunikation zur Transformation führt bzw. führen muss. Denn wer das Rosenberg-Modell als quasi Entwicklungsrolltreppe - die immer aufwärts führt - begreift, liegt falsch.

Markus Fischer

Markus Fischer, Dipl. Volkswirt, unterstützt seit über 20 Jahren die Klärung spannungsgeladener Beziehungen und weiß von sich selbst, dass Konflikte selten willkommen sind. Als Pionier der Gewaltfreien Kommunikation in Deutschland ist er ein kritischer Denker geblieben. Heute begleitet er den Kulturwandel in Unternehmen nach dem Grundsatz: Freiheit gibt es nur mit Verantwortung. » http://www.kultur-wandeln.de

Das große Missverständnis nenne ich die irrige Annahme, dass allein die Beschäftigung mit der Gewaltfreien Kommunikation zur Transformation führt bzw. führen muss — das Rosenberg-Modell also quasi eine „Entwicklungsrolltreppe“ sei die immer aufwärts führt — dem ist nicht so.

Transformative Seminarsettings — Selbstreflexion und Selbsterfahrung

Transformative Wirkung hat die Arbeit mit dem Rosenberg-Modell, wenn an der Bewusstmachung bisher unbewusster Denk-, Gefühls- und Verhaltensmuster gearbeitet wird. Dies sind vor allem die selbst-reflexive Arbeit (Selbstempathie) und empathische Klärung mit Trainern, in denen Entwicklungsthemen bewusst gemacht werden. Dabei müssen vor allem auch die „verpackten“ Emotionen und Bedürfnisse wieder bewusst gemacht werden. (Im GFK-Jargon: „Arbeit an den bewertenden Wölfen“ oder auch Schattenarbeit genannt, verletzende Glaubenssätze erkennen, „alte Verletzungen bearbeiten“ u.ä.).
Transformative Methoden sind, vereinfacht gesagt, alle Methoden, die das „Zu-sich-Kommen“, das vertiefte „Über-sich-Nachdenken“ und „Nachfühlen“ unterstützen. Das können auch meditative und kontemplative Methoden sein.

Translative Seminarmethoden — „üben, richtig zu sprechen”

Translative Methoden verstehen die Gewaltfreie Kommunikation als ein Sprach- und Rhetorikmodell, bei dem vor allem neue Sprachmuster trainiert werden. Es geht darum, sich „in vier Schritten“ auszudrücken, es wird mit Gefühls- und Bedürfnisslisten gearbeitet, in Rollenspielen, „6-Stühlen” und „Tanzparkett“ wird eine „gewaltfreie Sprache“ geübt. Die allermeisten der in den bekannten Übungsbüchern beschriebenen Methoden und Übungen sind translative Methoden.
Wie gesagt, Translation im Allgemeinen ist absolut wichtig und notwendig. Nur sind translative Methoden für die Arbeit an der Haltung wirkungslos — und darum soll es ja in der Gewaltfreie Kommunikation gehen, so zumindest der Anspruch.

Regression in der Gewaltfreien Kommunikation — Wölfe im Schafspelz

Was ich bedenklich finde, sind die regressiven Entwicklungen, die ich seit Jahren in der GFK-Szene beobachte. Es gibt mehrere Merkmale für diese Regression, bspw. die “gewaltfreien” Sprachfloskeln — die die Freiheit und Spontanität einschränken — oder die “gewaltfreien” Regeln, wie man sich im Gespräch zu verhalten hat (z.B. laufend zu wiederholen, was man gehört hat) — die die Echtheit und Authentizität einschränken.
Warum Regressionstendenzen dort so stark sind, kann ich nur vermuten. Mein Eindruck ist, dass der transformative Aspekt in vielen Seminaren und Ausbildungen wenig bis gar keine Rolle spielt. Die Gefahr ist dann wohl groß, dass sich die regressiven Tendenzen, die wir ja alle haben, mit der „Gewaltlfreien-Sprache“ sehr wohl fühlen. Dann muss man sich nicht mit den eigenen Schattenseiten und Fehlern beschäftigen, sondern darf sich sogar noch „gewaltfrei“ nennen. Das ergibt dann als Transformation getarnte Regression, oder, wie Marshall Rosenberg es nannte: „Die Wölfe im Schafspelz…”

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