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Der Dresscode der Macht

Richard Gappmayer

02.11.2017 ·  Haben die traditionellen Kleidungsregeln an Macht verloren oder gar ausgedient? Wenn Sie die Boulevard-Zeitschriften durchblättern oder die Medien betrachten, könnte man glauben, dass es so ist. Die Kunst der Inszenierung hat das Geschehen übernommen. Regeln werden zugunsten des Willens zum Auffallen gebrochen. Doch nachahmen sollten Sie das nicht ...

Richard Gappmayer

Richard Gappmayer war mehr als 20 Jahre im nationalen und internationalen Top-Management mit Schwerpunkt Verkauf, Vertrieb und Marketing tätig. Während dieser Zeit machte er zahlreiche persönliche Erfahrungen rund um die Thematik Macht und den richtigen Umgang mit der eigenen Machtkompetenz. 2006 machte er sich selbstständig und gründete das Zentrum für Persönlichkeits- & Organisationsentwicklung. Als Management-Coach, Organisationsberater, Wirtschaftstrainer und Supervisor unterstützt Gappmayer heute hochrangige Führungskräfte. Der Autor ist gefragter Keynote-Speaker und Interviewpartner zu seinen Kernthemen. » http://www.gappmayer-trainings.at

Viele scheinen betreffend ihre Kleidung so ziemlich alles für erlaubt zu halten. Eine neue Art des Dresscodes ist geboren: Derjenige der Macht, kleidungstechnisch das zu tun, worauf man gerade lustig ist. Wer sich dies traut, der muss machtvoll sein und scheut sich nicht, diese Macht auch zu demonstrieren. Denken wir nur an den Entertainer Thomas Gottschalk, der durch teilweise skurrile Outfits von sich reden machte. Er kann es sich – von der Persönlichkeit und von seiner Bekanntheit her – aber auch leisten, aus den üblichen starren Machtgefügen von Dresscode & Co auszubrechen.

In einem anderen Universum, dem des strikten Business, gilt jedoch noch immer: Passe dich an, und du bist erfolgreich! Würde ein Bewerber den erhofften Job als Banker bekommen, wenn er in Jeans und T-Shirt zum Vorstellungsgespräch erscheint? Wohl eher nicht. Da lohnt ein Blick auf die Details. Bill Gates, einer der reichsten Männer der Welt, erscheint zu Veranstaltungen oft in Jeans. Die Frau von Barack Obama, Michelle, trägt bei öffentlichen Anlässen gerne ein ärmelloses Kleid.

Auf den ersten Blick könnten wir jetzt konstatieren, der traditionelle Dresscode in der obersten internationalen Liga habe ausgedient. Aber stimmt das wirklich? Nein, denn auch diese Menschen haben sich das Recht auf diese Abweichungen erst verdienen müssen. In den ersten Jahren im Weißen Haus entschied sich Michelle Obama für durchaus konservativere Outfits, sie passte sich noch an. Und das war auch die richtige Entscheidung. Erst als sie in ihre Rolle immer mehr hineinwuchs und sich zunehmend sicher fühlte, gestand sie sich modische Experimente zu. Ihre Macht war gestiegen und sie etablierte ihren eigenen Dresscode dazu. Und Menschen wie Bill Gates genießen durch ihren Reichtum und ihr großartiges soziales Wirken sowieso einen ganz besonderen Status und eine gewisse Narrenfreiheit.

Ganz anders sieht es betreffend den Dresscode im Geschäftsleben aus. Dort hat eine große Berufsgruppe sich kollektiv für ein einheitliches, dezentes und vor allem konservatives Outfit entschieden, um den Eindruck von Wertigkeit, Kontinuität und Seriosität zu suggerieren. Egal ob Anwalt, Controller, Bankmitarbeiter, Manager oder Verkäufer im gehobenen Segment. Mit dem klassischen Business-Outfit liegen Sie immer richtig.

Wieso eigentlich muss es ein einheitliches, ja sogar eintöniges Bild dieser im Businessleben stehenden Menschen geben? Psychologen waren dem Phänomen auf der Spur und haben herausgefunden, dass, wenn man sich ähnlich sieht, höheres Vertrauen entsteht. Bei gleicher Leistung wirkt Ähnlichkeit als Pluspunkt. Bei Unähnlichkeit setzt es Minuspunkte. Nun schließt sich auch der Kreis zu den vorher erwähnten Statussymbolen. Auch hier bedeutet ein uniformiertes, gleichartiges Auftreten die ultimative Berechenbarkeit sowie Zugehörigkeit und damit ein Stück vom Machtgefüge eines Unternehmens.

Gerade wenn Sie Karriere machen und in die Top-Etagen der Wirtschaft aufsteigen wollen, ist die Vertrautheit mit dem Verhaltens- und Dresscode der Zielgruppe ein wesentliches Auswahlkriterium. Denn wer sich verhält und kleidet wie die da oben, suggeriert, dass er weiß, wie man das macht – dass er dazugehört.

Erst wenn Sie es in einem Unternehmen wirklich geschafft haben und ganz oben stehen, sollten Sie sich mehr Freiheiten erlauben. Dann können Sie unter Umständen sogar die Farbe Rot wählen. Aber wirklich nur unter gewissen Umständen. Wer Rot trägt, der empfindet die eigene Dominanz als höher. Sieht man einen Gesprächspartner in Rot gewandet, verstärkt diese eigene Wahrnehmung die gegnerische Stärke und Gefährlichkeit noch. Definieren Sie Situationen, in denen Sie leuchtendes Rot wählen, immer im Voraus. Rot ist eine extrem machtvolle Farbe und sollte gut überlegt getragen werden.

Der Dresscode alleine ist nur ein Teil der äußeren Ausdrucksweisen der Macht. Es geht vielmehr um die machtvolle Gesamtinszenierung! Dies ist nicht nur in Filmen oder auf der Bühne wichtig. Durch die bewusste Gestaltung einer gelungenen Inszenierung werden Sie zum Regisseur des eigenen Erfolges. Dazu zählt ein strategisches Styling von Kopf bis Fuß, Frisur, Schuhe und natürlich Accessoires wie Brillen, Schmuck, Krawatten, Tücher oder Taschen. Ganz besonders wichtig: Statussymbole wie edle Handys, inklusive eleganter Hülle, Laptops oder iPads. Aber auch Ihre Wohngegend und Ihre Büroeinrichtung unterstützen nicht nur Ihr Wohlbefinden, sondern transportieren Informationen über Sie als Mensch. Dies ist speziell für den Moment des »ersten Eindrucks« wesentlich. Während wir mit Sach- und Verhandlungskompetenz auf der bewussten Ebene punkten, wirken diese Insignien der Macht direkt auf das Unterbewusste und erreichen ihre Empfänger ohne Umwege.

Einige Menschen entwickeln gegen solche eindeutigen Inszenierungen der Macht klare Aversionen. Denn sie fürchten, nicht mehr sie selbst zu sein. Außerdem verbinden dies manche mit Hochstapelei oder Unehrlichkeit zu sich selber. Sie bestehen darauf, authentisch zu bleiben und so ihre wahre Persönlichkeit auszudrücken. Es ist sicher löblich, zu denken: »Es zählen doch nur Charakter und Kompetenz, es kommt doch nicht auf Äußerlichkeiten an!« Diese Menschen muss ich leider enttäuschen. Das tut es doch! Sie müssen kein Fachmann aus der Werbung sein, um die Bedeutung von Design und Verpackung zu verstehen. Wenn Sie für die Zielgruppe nicht attraktiv wirken, nützt auch der beste Inhalt nichts.

Diese Persönlichkeitstypen haben sehr oft Angst vor der Macht oder sehen sie als totales Tabu an. Das bleibt jedem unbenommen, aber wer so denkt und handelt, sollte sich bewusst machen, dass er damit automatisch einen Teil seiner persönlichen Macht abgibt. Und damit seinen persönlichen Erfolg beschneidet! Ihre gesamte machtvolle Inszenierung erleichtert und fördert den Transport Ihrer eigentlichen Botschaften. Die so gesparten Kräfte können Sie anderweitig sicherlich gut gebrauchen. Lernen Sie diese geheimen Codes der Macht, die ständig und überall präsent sind, besser zu erkennen und zu deuten, und Sie werden Ihre Ziele leichter und schneller erreichen.

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