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Die Fettnäpfchen des Missverstehens

Michael Hoyer

15.02.2018 ·  In dem Moment, in dem wir uns nicht verstanden fühlen, können wir es auf zwei Gründe zurückführen: Die Beziehung ist gestört oder aber sie ist intakt, aber wir senden nicht richtig. Wie wir gerade lezteres Problem vermeiden, verrät Prof. Michael Hoyer.

Michael Hoyer

Michael Hoyer ist Vordenker und Weit(er)denker. Seine Mission ist es, andere Menschen zum Nach- und Querdenken anzutreiben. Mit viel Durchblick und einem Gespür für die Situation setzt er immer wieder scheinbar Unmögliches in die Tat um. Er ist Erfolgstrainer, Honorar-Professor an der Hochschule Furtwangen, Fachautor und ein gefragter Redner. Seit mehr als 20 Jahren schult und coacht er Führungskräfte renommierter Unternehmen. » http://www.michael-hoyer.de

In dem Moment, in dem Sie sich nicht verstanden fühlen, können Sie es auf verschiedene Gründe zurückführen: Entweder Ihre Beziehung ist gestört – in dem Fall können Sie sie wieder stärken – oder aber Ihre Beziehung ist intakt, aber Sie senden nicht richtig.

Über folgende drei Fehler stolpern wir ganz häufig, wenn wir Wünsche, Vorstellungen oder Ideen äußern:

1. Fettnäpfchen: Umwege gehen

»Könntest du bis morgen vielleicht ein Angebot formulieren und es nach Möglichkeit – also nur wenn es zeitlich bei dir passt – an den Büromöbelhersteller Claudius übersenden?«

Wenn der Büromöbelhersteller Claudius das Angebot tatsächlich bis morgen erwartet, wird er mit ziemlicher Sicherheit enttäuscht sein. Denn die Frage nach der Angebotserstellung ist so nebulös formuliert, dass sie gar nicht als Bitte verstanden werden kann. Der Wunsch nach Delegation und Übernahme dieser Aufgabe wird nicht klar. Mehr noch, es fehlt komplett die Information, was dem Möbelhersteller versprochen wurde, es fehlen der klare Auftrag, die klare Bitte und die Rückversicherung, dass es bis morgen gelingt.

Eine solche übervorsichtige und dadurch nebulöse Art zu kommunizieren nenne ich »Umwege gehen«. Missverständnisse, Enttäuschungen und Extraschleifen sind hier nämlich vorprogrammiert. Unmöglich, jemanden zu verstehen, der sich derart unklar ausdrückt.

2. Fettnäpfchen: Zurückrudern

»Oh je, das hab ich so nicht gemeint«, ist eine häufige Gegenreaktion, wenn der Gesprächspartner mit einer Äußerung so gar nicht einverstanden ist und deshalb erstaunt oder sogar erbost reagiert. Dabei war die Äußerung ernst gemeint und hinter ihr stand eine positive Absicht. Statt dazu zu stehen, rudern wir aber zurück, wenn wir merken, unsere Idee stößt bei unserem Gegenüber auf Widerstand. Das ist pure Anpassung aus Angst vor einem möglichen Konflikt.

Jetzt überlegen Sie einmal, welche Wirkung dieses Verhalten auslöst: Wenn jemand beim kleinsten Widerstand seine Meinung revidiert, wirkt er schwach, ohne Selbstbewusstsein und vor allem ohne klaren Standpunkt. Mit so jemandem gemeinschaftlich handeln? Lieber nicht! Intuitiv suchen wir uns nämlich immer starke Kooperationspartner: um Geschäfte zu machen, um eine Familie zu gründen oder um die Freizeit zusammen zu verbringen.

Sätze wie »Da bin ich mir dann nicht so sicher, vielleicht haben Sie sogar recht und ich müsste meine Meinung noch einmal reflektieren« streichen Sie also lieber aus Ihrem Vokabular.

3. Fettnäpfchen: Stehen bleiben

Wenn Sie als Austauschschüler in der Normandie in der siebten Klasse Französisch gelernt und seither Ihr Französisch nicht weiterentwickelt haben, dann können Sie nach einer kurzen Aufwärmphase mit einem Muttersprachler zwar immer noch an Ihre Sprachkenntnisse andocken; Sie schaffen es sogar, eine flüssige Konversation zu führen – allerdings auf dem Niveau eines Siebtklässlers. Die Vokabeln, um etwa Ihre Arbeit oder politische Zusammenhänge zu beschreiben, fehlen Ihnen schlicht.

Das passiert uns laufend auch in unserer Muttersprache. Uns fehlen aber weniger die Wörter als die kommunikativen Techniken und Einsichten. Aber das Prinzip ist das gleiche: Wir sind in unserer kommunikativen Entwicklung stehen geblieben.

Es fehlt meist schon an der Sensibilisierung und dem Problembewusstsein. Ich kann doch reden, also werde ich verstanden. Fehlende kommunikative Fähigkeiten jenseits des eigenen Wortschatzes können Sie nur erspüren. Wenn Sie merken, dass Sie Gedanken plagen wie: »Der Mark kann immer alle überzeugen. Warum gelingt mir das nicht?« oder »Jetzt bin ich zwar über meinen Schatten gesprungen und habe in der großen Runde das Wort ergriffen, aber so richtig ernstgenommen haben sie meine Idee nicht.«

Auch wenn Sie wiederholt den Eindruck haben, dass Ihre Mitmenschen Sie nicht richtig verstehen, ist das ein Indiz dafür, dass Sie in Ihrer kommunikativen Entwicklung noch einige Stufen nach oben kommen können.

Ich möchte Sie beruhigen: Sie müssen jetzt nicht dicke Lehrbücher wälzen und ein Meister der Rhetorik werden. Nach dem Deutschunterricht in der Schule frischen die wenigsten Menschen ihre kommunikativen Kenntnisse auf, geschweige denn, dass sie diese bewusst weiterentwickeln. Wir erlernen vielleicht noch, wie man eine Präsentation mit PowerPoint gestalten kann, aber dann war’s das auch schon. Und je nachdem, was Sie beruflich machen, kann es sein, dass Sie sich an Stilmittel wie Anapher, Oxymoron, Chiasmus kaum noch erinnern.

Meine ehrliche Meinung: Falls Sie die Stilmittel des Deutschunterrichts vergessen haben, ist das überhaupt nicht schlimm. Denn dieses Wissen ist zwar nützlich, wenn Sie Gedichte schreiben möchten. Doch wenn Sie sich in einem Meeting Gehör verschaffen wollen, wenn Sie Ihrem Ehemann klarmachen möchten, dass Sie das Haus umbauen möchten, wenn Sie einen Sponsor gewinnen oder die Lehrerin Ihres Sohnes besänftigen wollen, nützen Ihnen diese spezifischen Wirkfiguren der Rhetorik noch nicht viel. Die Art von kommunikativer Kompetenz, die Sie im beruflichen und privaten Alltag brauchen, ist anderer Art.

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