Die vier ebenen der Selbstwahrnehmung BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

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Die vier ebenen der Selbstwahrnehmung

Thierry Ball

26.04.2018 ·  Stelle dir folgende Situation im Businesskontext vor: Drei Menschen sitzen in einem Vorzimmer und warten auf ihre Gelegenheit, ihr Konzept zu präsentieren, um den ausgeschriebenen Führungsjob zu erhalten. Wer von den Dreien wird sich als Führungsperson hervortun und den Arbeitgeber überzeugen?

Thierry Ball

Thierry Ball ist der Selfment-Coach. Tricks und Spielchen im Umgang mit sich und anderen Menschen sind ihm suspekt und werden gleich entlarvt. Konsequenz und Wertorientierung sind seine Prinzipien, die (Wiedererlangung der) Eigenverantwortung das Ziel seiner Coachings. Und das seit mehr als zwanzig Jahren. » http://www.thierry-ball.de

Der erste ist nervös und hat feuchte Hände und Achseln. Er versucht zunächst, über einen Small Talk Verbindung aufzunehmen, und wird zunehmend stiller, als er bemerkt, dass diese Strategie nicht sonderlich gut ankommt. Er geht nochmals augenschließend in sich und reflektiert seine Worte, die er jetzt gleich sagen möchte. Er spürt noch den reduzierten Schlaf der vergangenen Nächte und immer wieder fährt ihm ein Gedanke durch den Kopf: Jetzt oder nie. Heute gilt es. Siegen oder sterben.

Der zweite ist deutlich ruhiger und glaubt an sich und daran, mit seinen Ideen punkten zu können. Er scheint klar und fokussiert zu sein. Könnte er vielleicht den Arbeitgeber zu einem weiteren Termin auf den Golf- oder Tennisplatz locken? Dort würde sich meist aus einer entspannten Situation heraus leichter entscheiden lassen, wer der richtige Mann die Stelle sein könnte. Er denkt über eine Strategie nach.

Der dritte achtet zunächst auf den Raum, die Dekoration, den Teppich und die Bilder an der Wand. Auf dem Tisch stehen frische Blumen und er bemerkt vor allem die Mitarbeiter, die im Vorzimmer ein- und ausgehen. Sie wirken entspannt und beherzt, konzentriert bei der Arbeit und stets freundlich zueinander. Offen für das, was geschehen wird in der nächsten halben Stunde, empfindet der dritte Bewerber ein ähnliches Gefühl wie das der Mitarbeiter, welches nach außen scheint. Er ist sich sicher, dass er erst, wenn er dem Arbeitgeber gegenübersitzt, entscheidet, was für ihn gut ist. So bleibt Raum, auf ihn eingehen zu können. Er ist ganz bei sich und somit freier im Außen.

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Was macht nun den Unterschied zwischen den drei Personen? Die ersten beiden halten ihren Fokus eher auf das Außen und versuchen mit List oder Strategie, die gegenüberliegende Seite zu gewinnen. Der dritte bleibt bei sich und nutzt die Informationen im Außen, um in eine Stimmung zu kommen, als würde er schon dazugehören. Er ist bei sich und somit authentisch auch im Außen wirkend. Was nun geschieht, das entsteht und lässt den Bewerber leichter in die Entscheidung bringen, dort überhaupt arbeiten zu wollen. Der Bewerber trifft die Entscheidung, nicht der Arbeitgeber! Passen beide nicht zueinander, wird es der Bewerber merken und kann so weiterziehen und etwas anderes finden.

In diesem Szenario verfügt der dritte Mensch über das größte Potenzial, auf tiefster Ebene zu hören und zu sehen. Um sich und letztlich auch andere Menschen führen zu können, braucht es eine gesunde innere Klarheit als Basis. Ganzheitlich zu sehen und zu hören, ermöglicht dir Führung mit Herz und Inspiration.

Wie war es bei mir selbst? Lange war mir nicht bewusst, wie sehr ich in den heftigen, emotionalen Talfahrten meiner Lebenssituation außerhalb meiner selbst war. Es ging mir um alles und jeden, nur nicht um mich selbst. Ich erlebte mich als Reagierenden und emotional völlig abgekoppelt von meinem Umfeld. Ich nahm es wahr, verstand es, fühlte jedoch nichts. Wie in einem dumpfen Vakuum. So bekam ich auch von anderen das Feedback: »Du bist nicht mehr hier bei uns, wir spüren dich nicht mehr, du bist nicht der Thierry, den wir kennen.« Obwohl ich mit jedem in Verbindung schien, bekam ich das Gegenteil zu hören. Das hat mich immer noch wütender und verzweifelter gemacht. Die Resonanz im Außen war alles andere als meine Absicht. Ein guter Nährboden für weitere mentale Negativspiralen, die nicht mehr zu Ende gehen wollten. Ein Gefühl kam in mir auf, es nicht mehr allein schaffen zu können, aus diesen Spiralen wieder auszusteigen. Hier gaben mir die vier Ebenen nach Deepak Chopra gute Unterstützung:

Die Ebene der Beobachtung über den Körper. Beobachte im Außen detailliert. Sammle möglichst viele Informationen und spüre über deinen Körper die Signale.

Die Ebene der Analyse über den Verstand. Wäge ab und lasse Überzeugungssätze des Verstandes zu. Nimm aufkommende Ideen an. Stelle dir selbst Fragen. Warte neugierig auf den nächsten Gedanken. Vermeide unbedingt Vorurteile oder Bewertungen.

Die Ebene des Fühlens über ein geöffnetes Herz. Achte auf dein Herz. (Nimm es dir zu Herzen.) Fühle und erspüre den Ort der Emotion in deinem Körper. Öffne dein Herz für neue Erkenntnisse und nutze den entstehenden Raum der Fülle.

Die Ebene der Verinnerlichung über die Seele. Lass los und warte geduldiger, was in und mit dir passiert, wenn in der Phase der Verinnerlichung ein tiefer Ort in dir erreicht wird. Hier ist die reine körperliche Intelligenz erreicht. Hier stehst du in Verbindung mit einem höheren Selbst, das umfassender ist, als es dein Verstand je erfassen könnte. Hier ist der Ort des Seins und reinen Bewusstseins, der Intuition. Hier ist das, was du wirklich bist.

Einmal mehr deutlich wurde mir: Selbstführung entsteht also aus mir selbst heraus für andere! Führung beginnt bei dem, der sich selbst führt. Die Folge daraus sind Menschen, die folgen. Mir wurde bewusst, dass die größten Führungspersönlichkeiten gleichzeitig auch die größten Seelen und somit ein Segen für die Menschheit waren: Nelson Mandela, Abraham Lincoln, Mahatma Gandhi. Sie sahen das Gleiche wie alle Menschen, sie dachten die gleichen Gedanken wie alle anderen. Ihre Herzen litten wie zahllose andere Mitmenschen. Doch in der Seele gingen sie tiefer und wurden von der Vision ihrer Hoffnung und ihrer Selbstführung auf eine neue Welt getragen.

Inspiriert durch Deepak Chopra schaute ich bei mir nun mehr auf die Unterschiede der Selbstwahrnehmungsebenen. Ich verspürte in mir ganz klar eine Ebene des Verstandes, eine wohlige Ebene des Herzens, eine reine, pure Ebene des Körperempfindens und etwas noch Diffuses, Mystisches an Seelenebene. Sie schienen alle mal mehr und mal weniger füreinander und auch gegeneinander zu agieren. Die differenzierte Sicht auf mich und das immerwährende Hinspüren in diese Ebenen ließen etwas Friedvolles und Klärendes in mir wachsen. Ich war wieder ein Stück mehr bei mir angekommen. Immer wieder für Momente. Das war kraftvoll und beruhigend zugleich.

 

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