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Digitale Gewinner gibt es nur im Silicon Valley!

Dr. Jens-Uwe Meyer

27.06.2019 ·  "Das ist ein großer Irrtum!", meint Dr. Jens-Uwe Meyer. Digitaler Gewinner kann jeder werden. Ob Azubi, Anwalt, Handwerker oder Zahnarzt. Ob Start-up oder etabliertes Unternehmen mit Tradition. Wir sprachen mit ihm über die Zukunft der Arbeit, den Stand der Digitalisierung und die Chancen, zu digitalen Gewinnern zu werden.

Dr. Jens-Uwe Meyer

Mit zwölf Büchern (u.a “Digitale Disruption“. „Radikale Innovation) gilt Dr. Jens-Uwe Meyer als führender Vordenker und Keynote Speaker für Innovation und Digitalisierung. Er gehört zur exklusiven Riege der Meinungsmacher beim manager magazin. In seiner Promotion untersuchte er, was Unternehmen zu Innovation Leaders macht. Als Unternehmer entwickelt er heute Software, mit der Unternehmen und Organisationen zu digitalen Gewinnern werden. » http://www.innolytics.de/was-ist-digitalisierung/

Sie sagen, jeder Mensch und jedes Unternehmen kann zum digitalen Gewinner werden. Hand aufs Herz. Amazon ist mittlerweile 25 Jahre alt, Digitalunternehmen wie Google und Microsoft haben die Welt schon lange unter sich aufgeteilt. Ist der Zug nicht schon lange abgefahren?


Dr. Jens-Uwe Meyer: Im Gegenteil. Die Digitalisierung hat gerade erst begonnen. Was Amazon, Microsoft, Google und andere Technologieunternehmen in den vergangenen Jahren getan haben, ist die digitale Infrastruktur für die kommenden Jahre aufzubauen. Sie haben im Prinzip die Straßen, Bahnstrecken und Flughäfen für die digitale Zukunft gebaut. Jetzt geht es darum, diese geschickt zu nutzen. Es würde heute keine erfolgreiche Fluglinie und kein erfolgreiches Touristikunternehmen geben, wenn es keine Flughäfen, keine Straßen und keine Bahngleise gäbe. Die Infrastruktur ist da. Jetzt geht es darum, sie bestmöglich zu nutzen.

Was meinen Sie mit Infrastruktur? Haben Sie dafür ein Beispiel?

Dr. Jens-Uwe Meyer: Nehmen wir an, Sie möchten Ihren Kundenservice digitalisieren und Chatbots auf Basis künstlicher Intelligenz programmieren. Noch vor wenigen Jahren bedeutete das massive Investitionen und Projekte mit ausgewiesenen Datenwissenschaftlern. Heute können Sie sich innerhalb weniger Minuten bei Microsoft, IBM, Google oder Amazon Webservices ein Konto anlegen und beginnen, einen Chatbot zu entwickeln. Sie müssen dazu nicht einmal über Grundkenntnisse der Programmierung verfügen. Sie können Technologien wie die Blockchain nutzen, um Ihre Abrechnungen drastisch zu vereinfachen. Und Sie können Produkte und Services über digitales Marketing viel effizienter promoten als das noch vor wenigen Jahren möglich war. Früher galt der Grundsatz: Ohne Geld keine Chance. Heute ist es anders: Köpfchen schlägt Kohle. Ideen schlagen riesige Investitionen.

Wo stehen denn Unternehmen heute?

Dr. Jens-Uwe Meyer: Die meisten haben erkannt, dass in der Digitalisierung großen Chancen für Mitarbeiter und das Unternehmen stecken. Ich erlebe selten Digitalisierungspessimisten. Dass wir Deutschen digitalisierungsmüde sind, ist Quatsch. Aktuell sind die meisten Unternehmen auf der Suche nach ihrem Weg. Sie stehen sich mitunter dabei selbst im Weg, weil sie aus jedem Projekt ein Monsterprojekt machen. Statt einfach, schnell und agil zu starten, werden Arbeitskreise ins Leben gerufen, aufwendige Analysen durchgeführt und Heerscharen von Beratern ins Haus geholt. Was vielen aktuell noch fehlt, ist die Mentalität von Start-ups: Sich konkrete Ziele setzen und möglichst schnell mit der Implementierung beginnen. Weniger darauf achten, alles richtig zu machen. Mehr darauf, zu experimentieren und dabei möglicherweise auch einmal zu scheitern.

Sie empfehlen ernsthaft das Scheitern?

Dr. Jens-Uwe Meyer: Scheitern ist ja nicht gleich scheitern. Wenn ein neuer digitaler Service im Prototypenstadium von Kunden nicht gleich angenommen wird, ist das Unternehmen ja nicht gescheitert. Es hat potenzielle Hürden und Fallstricke auf dem Weg zum Erfolg kennengelernt. Digitalisierung – so kommt es mir vor – wird oft mit angezogener Handbremse betrieben. Total verkopft. Anstatt erst einmal loszulegen.

Wie können denn jetzt Unternehmen und Mitarbeiter zu digitalen Gewinnern werden?

Dr. Jens-Uwe Meyer: In meinem Buch beschreibe ich eine typische Lernkurve in Bereichen der Digitalisierung wie ich sie auch erlebt habe. Seit Ende vergangenen Jahres haben wir in unserer Software eine künstliche Intelligenz implementiert, die die Relevanz aller Informationen auf Basis von insgesamt 30 Faktoren ständig berechnet. Ein halbes Jahr zuvor hatte ich zwar Grundkenntnisse von der Funktionsweise künstlicher Intelligenz, aber keine Vorstellung davon, wie man diese Technologie sinnvoll für eigene Zwecke anwenden kann. Man kann so heute schnell und einfach über Online-Akademien lernen!
Digitalisierung erfordert eine Lernkurve bei Menschen und innerhalb von Unternehmen. Dabei ist das Ziel zu Beginn noch nicht hundertprozentig eindeutig. Es ist eher ein Wechselspiel zwischen zwei verschiedenen Fragen: Welchen Möglichkeiten bieten mir neue Technologien? Welche potentiellen Anwendungsfälle sind denkbar? Beides bedingt sich gegenseitig. Irgendwann im Laufe dieser Lernkurve wird Mitarbeitern und Unternehmen vor allem eines klar: Was sie nicht tun wollen. Das ist wichtig.

Gibt es Beispiele für digitale Gewinner?

Dr. Jens-Uwe Meyer: Ganz viele. Ob es die Zahnarztpraxis ist, die mit Hilfe sozialer Medien innerhalb weniger Jahre weit über dem Branchendurchschnitt gewachsen ist, der Bauunternehmer, der ein Haus als digitales Communityprojekt entwickelt, das Produktionsunternehmen, das Experimente mit 3D-Druck durchführt oder ein klassischer Hersteller von Anlagegütern, der ein digitales Ökosystem für Kunden entwickelt. All diese Unternehmen sind digitale Gewinner. Google und Co. werden ja nicht den Zahnarzt um die Ecke ersetzen, sondern bieten ihm oder ihr mächtige Werkzeuge an.

 

Wenn ich als Unternehmen beziehungsweise als Individuum die digitale Transformation geschafft habe, was ist dann?

Dr. Jens-Uwe Meyer: Dann folgt der nächste Wandel. Wenn es eine Konstante in den kommenden Jahren gibt: Digitalisierung hat gerade erst begonnen, die Wirtschaft zu verändern. Die Digitalisierungsgewinner der letzten 25 Jahre müssen sich genauso verändern wie Unternehmen, die das Potenzial der Digitalisierung bislang noch nicht für sich nutzen. Allerdings werden in den kommenden fünf bis zehn Jahren die Veränderungen so gravierend sein, dass Unternehmen, die Digitalisierung nicht zu ihrer wichtigsten Aufgabe machen, abgehängt sind und den Know-how-Vorsprung ihrer Mitbewerber kaum noch einholen können. Ich mache ungerne Angst, aber das wird in den kommenden Jahren die Realität sein.

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