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Ein Netzwerk ist kein Selbstbedienungsladen

Stefan Fourier

24.11.2016 ·  Kennen Sie das: Plötzlich klingelt das Telefon und ein Schwall von Worten fällt über Sie her. „Wir kennen uns vom letzten Dingsda und weil ich heute ein ganz besonderes Angebot habe, bist du mir sofort eingefallen. Schließlich waren wir uns ja von Anfang an sympathisch.“ Na toll, da will Ihnen ganz offensichtlich jemand etwas Gutes tun. Trotzdem regt sich in Ihnen Widerstand. Schließlich kennen Sie die Person kaum, hatten vielleicht jahrelang keinen Kontakt. Egal, auch wenn das Angebot wirklich gut ist, sofort haben Sie einen komischen Geschmack im Mund und winden sich heraus.

Stefan Fourier

Dr. Stefan Fourier ist Unternehmer, Autor, Business Consultant und Mentor. Er entwickelte praxistaugliche Modelle zum Umgang mit Komplexität, die Organisationen und Menschen erfolgreich und das (Arbeits-)Leben entspannter machen. Die Wirkung seiner Modelle beruht auf solidem Wissen und persönlichen Erfahrungen aus vielen Lebensbereichen. In seinen Büchern pflegt Stefan Fourier einen lockeren Erzählstil, der seine Souveränität bei Problemlösungen unterstreicht. » http://www.fourier.de

Solche übergriffigen Vorgehensweisen werden von sogenannten „Netzwerkern“ praktiziert. Sie benutzen für Ihre Geschäftsaktivitäten solche Begriffe wie „Network-Marketing“ oder „Beziehungs-Marketing“, haben aber nicht das Geringste vom Netzwerken verstanden. Sonst wüssten sie, dass sie gerade in diesem Moment, mit diesem Anruf, eine mögliche Beziehung zugeschüttet haben. Der Anrufer hat nämlich einen entscheidenden Fehler gemacht. Er hat so getan, als wolle er mir Gutes tun, obwohl dazu überhaupt keine Veranlassung bestand. Ich habe ihn weder danach gefragt noch sind wir gut genug miteinander bekannt, dass er mit Recht hätte vermuten können, dass ich sein Angebot benötige. Nein, in Wirklichkeit wollte er mir etwas verkaufen und damit zunächst einmal sich selbst einen Gefallen tun. Und um das zu erreichen, ist er ziemlich nahe an mich herangetreten.

Nun glauben Sie bitte nicht, ich sei ein Gegner von Networking. Im Gegenteil, ich bin ein absoluter Networking-Fan. Nur bin ich ein Gegner von Dilettantismus. Wenn man ein Netzwerker sein will, muss man zumindest Grundwissen über Beziehungen haben, wie sie entstehen, funktionieren, entwickelt und gepflegt werden. Das erste, was ein guter Netzwerker niemals tut, ist, Beziehung und Kontakt zu verwechseln. Kontakt steht ganz am Anfang einer Bekanntschaft. Man ist sich gerade erst begegnet, hat Visitenkarten ausgetauscht und ein bisschen Smalltalk gemacht. Natürlich kann man einen solchen Menschen, eben einen Kontakt, wieder anrufen. Aber man sollte dabei nicht so tun, als hätte man miteinander schon so etwas wie eine Beziehung, die ein Nähertreten erlaubt. Damit aus einem Kontakt eine Beziehung entsteht, aus der heraus man sich gegenseitig Gefallen tut, müssen ein paar Bedingungen erfüllt sein. Man braucht gemeinsame Themen, gemeinsame Erinnerungen und eine Geschichte miteinander. Man muss sozusagen in die Beziehung investieren. Kein Geld, keine Geschenke, sondern Aufmerksamkeit und ehrliches Interesse am Gegenüber. All das braucht Zeit. Unser Anrufer aber ist mit der Tür ins Haus gefallen. Statt Vertiefung der Beziehung hat er Abwehr erzeugt, weil er sofort Nutzen aus dem Kontakt mit mir ziehen wollte. Er hat sein Netzwerk, zu dem ich als ein frischer Kontakt gehörte, wie einen Selbstbedienungsladen betrachtet. Er ist hereingestürmt und hat sich etwas aus dem Regal gegriffen.

So funktionieren Netzwerke nicht. Bevor man einen Nutzen daraus ziehen kann, sei es Unterstützung im Umfeld der Firma, bei Kollegen, Sportskameraden oder eben auch für beruflichen Erfolg bei der Auftragsbeschaffung oder dem Verkauf von Dienstleistungen, muss man in sein Netzwerk etwas hineinstecken. Man muss Arbeit leisten. Arbeit für den Aufbau tragfähiger Beziehungen. Es geht darum, wie aus Kontakten Bekanntschaften werden und aus Bekannten Freunde. Im Kern geht es dabei um die Entwicklung von Vertrauen. Das ist die Essenz von Networking. Wenn das gelingt, wird der Alltag leichter, die Arbeit erfolgreicher und das Leben bereichert.

Ich nenne das, was dann entsteht, die Sandwich Connection. Sie hilft uns in vielen Lebenslagen, aus dem Dilemma zwischen Anforderungen und Möglichkeiten, eben dem Sandwich, herauszukommen. Sie ist das persönliche Netzwerk, das sich jeder schaffen kann. Wahrlich kein Selbstbedienungsladen, aus dem man sich nur das Nützliche herauspickt, sondern eher eine große Küche, in der alle gemeinsam arbeiten, sich gegenseitig helfen und dann natürlich auch gemeinsam essen.

 

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