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Harte Fakten

Linda Schroeter

06.02.2014 ·  Je genauer wir über unsere Gefühle in einer Situation Bescheid wissen, desto bewusster können wir handeln. Und je bewusster wir handeln, desto machtvoller sind wir. Das kennt jeder: Ein wütender Mensch mit hochrotem Kopf ist üblicherweise nicht in der Lage zu überlegen, welcher Schritt als Nächstes vernünftig ist. Und der gebrüllte Satz: »Ich bin nicht wütend!« ist auch wenig überzeugend. Dieser wütende Mensch fühlt sich meist sehr machtlos und ist in der Tat in keiner guten Handlungsposition.

Linda Schroeter

Diplom-Psychologin Linda Schroeter ist Trainerin und Coach für Führung, Konfliktmanagement und Persönlichkeitsentwicklung. Als Expertin für effiziente und wertschätzende Kommunikation leitet sie seit vielen Jahren unter anderem Konfliktlösungsprozesse. Zu ihren Kunden gehören namhafte Konzerne und mittelständische Unternehmen, welche insbesondere die Klarheit, Freude und Leichtigkeit ihrer Führung schätzen. » http://www.schroeter-entwicklung.de

Der erste Schritt hier ist, sich seiner Gefühle bewusst zu werden. Wenn ich bemerke, dass ich wütend bin, kann ich bereits damit umgehen. Ich kann mir bewusst eine Auszeit nehmen.

Gefühlsworte im Alltag

Im Alltag macht es durchaus Sinn, erst einmal das anzusprechen, was wir in diesem Moment in uns wahrnehmen. Und das ist nicht selten die Wut oder der Ärger über eine Situation.

Die Beschäftigung mit einer genaueren Gefühlssprache kann zwar auch durchaus hilfreich sein, ich habe aber im Trainingsalltag die Erfahrung gemacht, dass diese hier dargestellte kurze Liste für Alltagskonflikte oft ausreicht. (Wenn Sie dieses Thema aber für sich vertiefen möchten, finden Sie in Rosenbergs Buch Gewaltfreie Kommunikation: Eine Sprache des Lebens eine umfangreiche Liste.)

Im Businesskontext werden bestimmte Gefühlsworte als unpassend wahrgenommen. Hier kann man sich leicht helfen, in dem man nach Alternativen sucht, die einem leichter über die Lippen gehen, aber trotzdem wahr sind. Ich empfehle zum Beispiel im geschäftlichen Kontext statt ›ich habe Angst‹ eher ›ich mache mir Sorgen‹ zu sagen. Man kann Worten auch die Härte nehmen, indem man statt ›ich bin wütend‹ lieber ›ich bin ärgerlich‹ sagt. Authentizität ist allerdings sehr wichtig. Falls Sie merken, wie Ihre Schläfe pocht und sich Ihre Hand in der Tasche wie von selbst zur Faust ballt, würde ich doch bei ›ich bin wütend‹ bleiben!

Unsere Gefühle, unsere Verantwortung – unsere Freiheit!

Wissen wir nun über unsere Gefühle Bescheid, können wir noch Folgendes bedenken: Gefühle sind etwas, das in uns ist und wofür nur wir verantwortlich sind.

Drei unterschiedliche Menschen reagieren auf ein und dieselbe Situation völlig unterschiedlich. Wie kommt das? Unsere Reaktion entsteht immer aus unserer persönlichen Geschichte, unserer Lebenshaltung, unserer aktuellen Verfassung und allem, was zu uns gehört. Für welche Bedürfnisse wir gerade eine Erfüllung brauchen, liegt ins uns. Ob wir bei einem pöbelnden Jugendlichen in der U-Bahn wütend werden und daraufhin zurückpöbeln oder uns denken: »Der arme Kerl hat es wohl nicht weit gebracht und ist gerade offensichtlich nicht glücklich mit seiner Situation« und Mitleid haben oder denken: »Wow, ich würde auch gerne mal so laut meinen Ärger rauslassen! Der traut sich ja was!« ist unsere Verantwortung. Vielleicht mussten wir als Jugendliche hart arbeiten und uns viel unterordnen, da weder unser Chef noch unsere Eltern so ein Verhalten hätten durchgehen lassen. Vielleicht würden wir auch gerne mal laut unsere Meinung sagen, erlauben es uns aber aus Rücksichtnahme oder Schüchternheit nicht. Und weil wir unser Bedürfnis nach Authentizität und ehrlicher Kommunikation nicht erfüllen, ärgert es uns, wenn sich jemand anderes das Recht dazu nimmt.

Was auch immer der in uns liegende Grund sein mag – dieser und nicht unser Gegenüber entscheidet über unsere Reaktion. Oft geschieht das unbewusst. Wenn wir mit einer Situation konfrontiert sind, scheinen unsere Gefühle sofort da zu sein. Tatsächlich gehen Gefühlen aber immer Gedanken voraus.

Die Abfolge ist üblicherweise so: Uns begegnet eine Situation (zum Beispiel der pöbelnde Jugendliche). Auf der Grundlage unserer Geschichte, unserer Lebenshaltung, unserer aktuellen Verfassung und allem, was zu uns gehört, formulieren wir Gedanken zu dieser Situation. Und je nachdem, was das für Gedanken sind, entstehen als Reaktionen auf diese Gefühle. Auf negative Gedanken folgen negative Gefühle.

Das bedeutet auch, dass nur wir wissen oder herausfinden können, warum wir diese Gefühle haben. Wenn wir negativ auf eine Situation reagieren, lohnt es sich sehr, sich die Zwischenschritte, welche zu den unangenehmen Gefühlen geführt haben, bewusst zu machen. Warum haben wir uns geärgert? Was genau ärgert uns hier eigentlich wirklich? Ärgern wir uns, weil wir (bei diesem Beispiel) in Wahrheit auch gerne einmal laut sein würden? Fantastisch! Wenn Sie entdeckt haben, was bei Ihnen dahintersteckt, können Sie Möglichkeiten der Erfüllung Ihres Wunsches suchen. Bei dem Beispiel des pöbelnden Jugendlichen und dem Wunsch, einmal ungehemmt laut sein zu wollen, gibt es so viele Möglichkeiten! Es gibt Menschen, die an ungestörte Orte gehen, um einfach einmal zu brüllen. Manche probieren das in Workshops. Und es gibt viele weitere Möglichkeiten.

Entspannt bleiben mit der Frage: Was ist eigentlich bei meinem Gegenüber los?

Eine weitere Möglichkeit, in schwierigen Situationen leichter entspannt zu bleiben, ist der Fokus auf unser Gegenüber. Statt uns zu fragen, warum wir in einer bestimmten Weise reagieren, können wir uns auch fragen, warum sich unser Gegenüber in dieser bestimmten Weise verhält. Hilfreich ist hier die folgende Perspektive: Menschen, die uns schlecht behandeln, machen uns ein sehr gutes Angebot, sauer oder genervt zu reagieren. Aber ob wir dieses Angebot annehmen oder stattdessen die Hilflosigkeit des Menschen hinter seiner Provokation sehen und gelassen reagieren, liegt wie immer in unserer Verantwortung. Wir können lernen, immer mehr von unserem Gegenüber wahrzunehmen und uns dadurch immer weniger mit unseren eigenen negativen Gefühlen einbringen.

Grundsätzlich gilt: Je größer der Stress ist, den wir mit jemandem haben, desto größer ist der Schmerz unseres Gegenübers. Wenn Menschen sehr aggressiv, zickig oder gemein agieren, fühlen sie sich innen drin üblicherweise schwach, ängstlich, minderwertig und haben den Eindruck einer Bedrohung ausgesetzt zu sein. Wenn sie sich stark, glücklich und wohl fühlen würden, würden sie dieses negative Verhalten wohl kaum benötigen!

Das gilt natürlich auch für uns. Wir Menschen neigen dazu, innere Verletzung durch übermäßigen und teilweise sehr negativen Schutz zu tarnen. Wir greifen lieber jemanden an und machen Vorwürfe, als zuzugeben, wie verletzlich und traurig wir uns in einer Situation fühlen.

›Reizende‹ Geschenke

Kommen wir noch einmal zum Thema Verantwortung für unsere Gefühle zurück. Es gibt da ein sehr schönes Bild, welches ich vor Jahren kennen gelernt habe: Unser Gegenüber überreicht uns (verbal) ein Geschenk. Dieses Geschenk ist wunderschön verpackt und sehr attraktiv für uns. Dieses Geschenk kann ein Kompliment sein. Es ist dann ein wunderbares Angebot, uns geliebt und wohlzufühlen. Dieses Geschenk kann aber auch eine Beleidigung sein, die uns ein ›reizendes‹ Angebot macht, mit Wut und Aggression zu reagieren. Das Schöne an dem Bild des Geschenkes ist, dass wir ein Geschenk annehmen oder ablehnen können. Stellen Sie sich vor, die Sonne scheint und es geht Ihnen blendend. Sie gehen die Straße herunter und ein Fahrradfahrer fährt knapp an Ihnen vorbei. Er beleidigt Sie und wirft Ihnen dann auch noch vor, im Weg gestanden zu haben. Vermutlich fällt es Ihnen in der Situation leicht, dass Geschenk, sich wütend zu fühlen, abzulehnen. Warum sollten Sie sich über diesen schlecht gelaunten Fahrradfahrer ärgern? Die Sonne scheint doch so herrlich!

An einem anderen Tag, an dem wir vielleicht ohnehin schon verärgert, übermüdet und unzufrieden sind, ist die Wahrscheinlichkeit, dass wir das Geschenk verärgert zu reagieren annehmen, vermutlich schon höher. So oder so entscheiden wir: Wollen wir das Geschenk beziehungsweise Angebot annehmen oder bei unserem Gegenüber lassen?

Achtung Pseudogefühle!

Wenn wir in der deutschen Sprache Gefühle benennen, gibt es noch etwas zu beachten: Es gibt Gefühlsworte, die echte Gefühle beschreiben und welche, die einen Vorwurf enthalten. Echte Gefühlsworte sagen etwas über uns aus. Beispiele für diese sind: glücklich, wütend, traurig und heiter. Dann gibt es noch Gefühlsworte, die Pseudogefühle benennen. Beispiele für Pseudogefühle sind: enttäuscht, verlassen, in die Ecke gedrängt … Diese scheinbaren Gefühlsworte zeigen vorwurfsvoll auf unser Gegenüber. Da gibt es jemanden, der uns getäuscht hat, der uns verlassen hat, der uns in die Ecke drängt. Was aber unklar bleibt ist, wie wir uns dabei fühlen. Wenn eine Täuschung von uns abfällt, können wir traurig sein, aber vielleicht auch erleichtert. Als Verlassene sind wir vielleicht wütend, vielleicht fühlen wir uns aber auch abenteuerlustig. Und wenn wir in die Ecke gedrängt wurden, könnten wir uns hilflos, wütend oder auch voller Energie fühlen. Die Pseudogefühlsworte sind in der Kommunikation nicht hilfreich. Sie enthalten versteckt Vorwürfe und geben keine Information über uns preis. Und wir leugnen mit diesen Worten unsere Verantwortung. Wir haben ja bereits festgestellt, dass Gefühle aus unserer Geschichte, unserer Lebenshaltung, unserer aktuellen Verfassung und allem, was zu uns gehört, entstehen. Wenn wir Pseudogefühlsworte benutzen, tun wir so, als ob unser Gegenüber uns Gefühle machen würde. Aber diese Macht hat unser Gegenüber nicht. Er kann uns nur ein sehr, sehr attraktives Geschenk anbieten!

 

 

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