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Kann Arbeit eigentlich noch Spaß machen?

Claudia Hupprich

06.06.2013 ·  Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales veröffentlichte Ende Januar diesen Jahres den Stressreport 2012, das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall fordert eine klare und verbindliche Anti-Stress-Verordnung und Amazon listet unter dem Suchbegriff „Burn-out“ aktuell mehr als 80.000 Titel. Gefährdet Arbeiten mittlerweile unsere Gesundheit?

Claudia Hupprich

Claudia Hupprich ist Managementberaterin, Business Coach und Geschäftsführerin von consulting @ work. Sie unterstützt seit fast 20 Jahren erfolgreich Menschen, die sich in Veränderungsprozessen befinden oder sich in solchen befinden wollen. Zu ihren Kunden zählen gleichermaßen DAX-Unternehmen, mittelständische Unternehmen und Einzelpersonen. » http://www.consulting-at-work.com

Brauchen wir tatsächlich neue Verordnungen, um unser Arbeitsleben hinsichtlich des Einflusses auf die psychische Gesundheit der Erwerbstätigen zu regeln oder ist nicht eher ein Umdenken gefragt? In den Köpfen der Unternehmer, wie in den Köpfen der Angestellten gleichermaßen. Anders gefragt: Kann Arbeit heutzutage überhaupt noch Spaß machen?
Text

Burn-out ist allgegenwärtig –in der Tagespresse, im Fernsehen, in der Buchhandlung, mittlerweile sogar in der Politik. Ende Januar veröffentlichte das Ministerium für Arbeit und Soziales den sogenannten Stressreport 2012, der darlegt, in welchem Umfang Beschäftigte in Deutschland derzeit psychischen Anforderungen und psychischer Belastung in der Arbeit ausgesetzt sind. Zeitgleich forderte Hans-Jürgen Urban, das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, „eine klare und verbindliche Anti-Stress-Verordnung“. Und die Arbeitgeber verweigerten unlängst ihre Unterschrift unter eine Erklärung zur psychischen Gesundheit bei der Arbeit, die das Bundesministerium für Arbeit, die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) und die Gewerkschaften gemeinsam verabschieden wollten. Die emotionalen Wellen schlagen hoch.

Zeit für einen kurzen Faktencheck (Quelle: Bundesministerium für Arbeit und Soziales):

  • 2011 wurden bundesweit 59,2 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen registriert. Das ist ein Anstieg um mehr als 80% in den letzten 15 Jahren.
  • 41 Prozent aller Neuzugänge zur Rente wegen verminderter Erwerbsfähigkeit waren auf psychische Störungen zurückzuführen.
  • Psychische Belastungen sind damit inzwischen Ursache Nummer eins für Frühverrentungen. Das Durchschnittsalter lag bei 48,3 Jahren.
  • 2006 wurden knapp 27 Mrd. Euro für die Behandlung psychischer Erkrankungen ausgegeben. Das waren 3,3 Mrd. Euro mehr als noch 2002.

 

Das Thema Burn-out ist auf dem Vormarsch

Interessant ist jedoch im aktuellen Stressreport der Fakt, dass sich hinsichtlich der Anforderungen und Ressourcen seit der letzten Befragung von 2005/2006 kaum Veränderungen zeigen, sondern die Anforderungen aus Arbeitsinhalt und -organisation sich auf zum Teil hohem Niveau stabilisiert hat. Es sind vielmehr die subjektiv wahrgenommene Belastung, die weiter zugenommen hat, ebenso auch die Beschwerden. Der Markt trägt diesen Fakten mittlerweile Rechnung und bietet diverse Hilfestellungen an, spezielle Burn-out-Programme und Burn-out-Praxen sind entstanden. Die Suche nach dem Begriff Burn-out ergibt derzeit über 80.000 Titel bei Amazon: 30-Tage-Programme, Behandlungsmanuals und Yoga-Ratgeber gegen Burn-out inklusive.

Quo vadis, möchte man da fragen. Wo geht die Reise hin, wie geht die Gesellschaft damit um, dass sich die Anforderungen im beruflichen Alltag auf hohem Niveau stabilisieren und die subjektiv wahrgenommenen Belastungen weiter steigen?

Zusätzlich zu diesen steigenden Anforderungen und wahrgenommenen Belastungen sinkt der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern hinsichtlich ihres Unternehmens.

Seit mehr als zehn Jahren erstellt das forschungsbasierte Beratungsunternehmen Gallup jährlich eine für die Arbeitnehmerschaft in Deutschland repräsentative Studie. Diese gibt unter anderem darüber Auskunft, wie hoch der Grad der emotionalen Bindung von Mitarbeitern und damit das Engagement und die Motivation bei der Arbeit ist. Die Ergebnisse der aktuellsten Studie[i] zeigen, dass fast jeder vierte Beschäftigte innerlich gekündigt hat. Diese innere Einstellung bringt Nachteile für jeden Einzelnen, selbstverständlich auch für die Unternehmen und die Wirtschaft als Ganzes. Denn wer sich emotional nicht an seinen Arbeitgeber gebunden fühlt, zeigt weniger Eigeninitiative, Verantwortungsbewusstsein und Leistungsbereitschaft. Irgendwie beunruhigend in einem Auto über die Autobahn zu brausen, das von Menschen gefertigt wurde, von denen ein Viertel innerlich gekündigt und dementsprechend nur noch auf das Ende der Schicht gewartet hat. Und wer möchte in einem Krankenhaus auf dem OP-Tisch liegen mit dem Wissen, dass statistisch gesehen jeder Vierte aller im Operationssaal Anwesenden demotiviert der Arbeit nachgeht? Der Gedanke daran verursacht doch mindestens ein innerliches Störgefühl, oder?

Kann und darf Arbeit eigentlich noch Spaß machen, oder ist die Vereinbarkeit von Spaß und Arbeit reine Utopie und Wunschvorstellung?


Menschen arbeiten in Deutschland im Durchschnitt 36,8 Jahre (Quelle: Statistisches Bundesamt). Eine lange Zeit, die besser sinnhaft ausgefüllt werden und in einem angemessen Arbeitsumfeld stattfinden sollte. Die Gesellschaft ist dabei als ganzes, wie auch Arbeitgeber und Arbeitnehmer gleichermaßen aufgefordert.

Eine Gesellschaft, die eine lange Anwesenheitspflicht im Büro mit Effizienz und Effektivität verwechselt – dies schließt Vorgesetzte, Kollegen wie Mitarbeiter gleichermaßen ein – darf sich nicht wundern, wenn Menschen dieses Spiel auf Kosten der angestrebten Ergebnisse mitspielen.

Arbeitgeber sind gefordert, die im Unternehmen gelebten Werte einem Realitätscheck zu unterziehen und ein Arbeitsumfeld zu schaffen, in dem Mitarbeiter sich wertgeschätzt fühlen und motiviert der Arbeit nachgehen können.

Aber auch jeder einzelne Arbeitnehmer ist gefragt. Wer überzeugt davon ist, dass Arbeit per se keinen Spaß machen kann, der schleppt sich morgens ins Büro und hofft auf den Feierabend. Er freut sich auf Freitagabend und das Wochenende und hat spätestens am Sonntagabend wieder schlechte Laune, weil der Montag und damit der Büroalltag wieder nahen. Ein Radiomoderator drückte dies einmal so aus: „Halten Sie durch, es ist Montag, nur noch fünf Tage bis zum Wochenende“. Das sagt dann schon alles.

Was motiviert Sie bei der Arbeit, wie sieht Ihr optimales Arbeitsumfeld aus und was tun Sie aktuell dafür, dies zu erreichen? Vielleicht brauchen wir ja gar keine Anti-Stress-Verordnungen, sondern die Antwort auf die Frage, was jeden einzelnen von uns motiviert. Dann kann und darf Arbeit selbstverständlich auch Spaß machen.

 

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