Mann, bin ich aufgeregt BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

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Mann, bin ich aufgeregt

Anita Hemann-Ruess

15.05.2012 ·  Ob Referat in der Schule, ein Vortrag oder eine Präsentation beim Kunden - viele beschleicht da ein mulmiges Gefühl. Der Gedanke daran, die Blicke der Zuhörer auf sich zu ziehen, sich zu versprechen oder an gar größere Pannen treibt vielen Menschen den Angstschweiß auf die Stirn. Doch gegen die Angst davor hilft der Applaus danach und wenn es mal schief läuft, nehmen Sie es locker. Anita Hermann-Ruess erklärt Ihnen wie das Lampenfieber zu Ihrem Freund wird.

Anita Hemann-Ruess

Anita Hermann-Ruess studierte Rhetorik an der Universität Tübingen und lebt heute in der Nähe von Ravensburg. Sie berät Unternehmen und schult Mitarbeiter, Experten und Führungskräfte, sich selbst und ihre Arbeit wirkungsvoll zu präsentieren. Sie ist Autorin mehrerer Bücher zum Thema Rhetorik und gefragte Expertin der Medien zum Thema Präsentieren und Verkaufen. » http://www.hermann-ruess.de

Das menschliche Gehirn ist eine großartige Sache. Es funktioniert vom

Moment der Geburt an – bis zu dem Zeitpunkt, wo du aufstehst, um

eine Rede zu halten.

(Marc Twain)

Wenn wir präsentieren begeben wir uns aus dem wohligen Schutz der Masse hinaus, wir sind nicht mehr die, die beobachten, sondern die, die beobachtet werden. Wir stellen uns, wir machen uns angreifbar, wir werden verletzlich, wir können grandios scheitern. All das ist möglich. Deshalb hat die Natur so etwas Großartiges wie das Lampenfieber erfunden. Lampenfieber macht Sie sympathisch und Lampenfieber zeigt Wertschätzung – all dies macht Lampenfieber zu Ihrem Freund und nicht zu Ihrem Feind, den es zu bekämpfen gilt. Freuen Sie sich über Ihr Lampenfieber – es spornt Sie zur Höchstleistung an! Es wird nur dann gefährlich, wenn es Sie nicht mehr anspornt sondern lähmt. Dann wird aus dem positiven Freund ein negativer, destruktiver Miesmacher. Im schlimmsten Fall überzeugt er Sie, die Präsentation nicht zu halten oder er sabotiert Ihre Vorhaben subtiler. Die nächsten 10 Methoden verraten Ihnen, wie Sie aus einem vermeintlichen Feind einen hilfreichen Freund machen können.

Positiver Ankersatz

Die Worte, die wir wählen um eine Situation zu beschreiben, haben Auswirkungen auf unsere Stimmung und auf unsere Motivation. Statt zu sagen Ich muss morgen vor 100 Menschen sprechen….sagen Sie besser: Endlich darf ich mit einem interessierten Publikum mein ganzes Wissen teilen! Suchen Sie sich einen neuen Satz, der die Situation genauso beschreibt - der aber in Ihnen ausschließlich Freude und Motivation erzeugt. Finden auch Sie Ihren positiven und motivierenden Ankersatz. Suchen Sie so lange die richtige Formulierung bis jedes Wort in Ihnen nur gute Gefühle auslöst und keinerlei schlechte.

„Schwätzer, Blender, Schaumschläger“ - negative Glaubenssätze umformulieren

Mit guter Rhetorik kommen Sie weit im Leben  und  das Sprechen vor (vielen) Menschen gehört dazu. Sollten Sie hier negative Glaubenssätze haben, dann formulieren Sie diese in unterstützende um. Gerade fachlich hervorragende und ethisch gefestigte Menschen haben ein sehr gespanntes Verhältnis zum Thema "Rhetorik" und zum Thema "Verkaufen". Je besser jemand präsentiert, umso einhelliger ihr Urteil, dass es sich um einen Schaumschläger handelt. Es ist sehr wichtig hier eine entspannte Haltung zu diesen Themen zu finden. Sie müssen ja nicht gleich zum Starverkäufer werden. Es reicht, wenn Sie sich vornehmen, die Rhetorik sinnvoll und positiv einzusetzen. Formulieren Sie jetzt gleich Ihre negativen Glaubenssätze um:

z.B. Rhetorik kann mir helfen, meine guten Ideen zur Umsetzung zu bringen und die Welt ein bisschen besser zu machen

Nehmen Sie sich selbst nicht ganz so ernst und wichtig

Denken Sie nicht so viel daran, wie Sie auf andere wirken und was andere über Sie denken. Allen Menschen recht getan ist ein Ding das keiner kann. Nehmen Sie Ihre Wirkung auf andere nicht so wichtig, sondern denken Sie mehr an die Botschaft, die Sie vermitteln wollen. Sachlich und folglich gelassener werden.

Reden lernt man nur durch Reden

Das sagt einer, der es wissen muss, nämlich Cicero, der große Redner und Rhetoriklehrer der Antike. Je mehr Erfahrung Sie haben, umso sicherer werden Sie. Verlassen Sie in kleinen Schritten die Komfortzone - nur außerhalb findet Wachstum statt. Suchen Sie sich zuerst kleine Herausforderungen und steigern Sie sich. Reden Sie in Besprechungen mit; lassen Sie sich in Vereinen zum Sprecher wählen; übernehmen Sie kleine repräsentative Aufgaben. Suchen Sie aktiv diese Situationen und denken Sie daran: Dort wo die Angst ist, dort geht es weiter! Sie werden reich belohnt: mit mehr Selbstbewusstsein, mit Stolz, mit innerem Wachstum. Verlassen Sie die Komfortzone - es ist heute gefährlicher sitzen zu bleiben!

Magnetisches Zielbild

Stellen Sie sich bildhaft vor, wie Sie Ihr Präsentationsziel erreichen. Sie sehen das wohlwollende Nicken der Entscheider, Sie hören den Applaus der Teilnehmer, Sie fühlen die anerkennende Hand auf Ihren Schultern. Wie fühlt sich das an? Was sagen Sie zu sich selbst? Was sagen die anderen zu Ihrem Erfolg? Machen Sie dieses Bild ganz bunt und  groß, leuchten Sie es aus. Welche positiven Konsequenzen hat es für Sie, wenn Sie das Präsentationsziel erreichen? Wie werden Sie sich belohnen? Sie sehen, es lohnt sich die Komfortzone zu verlassen.

Der Erfolg begünstigt den vorbereiteten Menschen

Glauben Sie keinem hervorragenden Präsentierenden, dass er sich nicht vorbereitet! Erfolg ist zu 90% Transpiration und nur zu 10% Inspiration. Im Wort Erfolg steckt das Wort: folgen. Das heißt, der Erfolg folgt erst im zweiten Schritt. Zuerst muss gesät werden – nur dann können wir ernten. Bereiten Sie sich vor. Auch wenn es nach Schule klingt: Üben Sie Ihren Vortrag bis er sitzt. Das gibt Ihnen ein gutes sicheres Gefühl und die nötige Souveränität. Gut ist es, wenn Sie mit lauter Stimme üben. Noch besser ist es, wenn Sie mit lauter Stimme vor Ersatzpublikum üben. Und am besten ist es, wenn Sie mit lauter Stimme vor Ersatzpublikum und mit allen Medien üben. Dann sind Sie auf der ganz sicheren Seite und haben die größtmögliche Kontrolle über das Geschehen.

Sicherheit und Gelassenheit mit ausformulierten Manuskript

„Der deutsche Vorstand trennt sich eher von seiner Frau, als von seinem Manuskript“ sagt treffend Olaf Henkel, der ehemaligen Arbeitgeberpräsident. Formulieren auch Sie Ihr Manuskript aus, vor allem wenn Sie noch wenig Erfahrung mit Präsentationen haben. Das Manuskript in Ihren Händen gibt Ihnen die notwendige Sicherheit und Gelassenheit für Ihre Live-Präsentation. Schreiben Sie im Konversations-Ton, so, als ob Sie sich mit Ihren Teilnehmern mündlich unterhalten würden. Schreiben Sie kurze, aktive Sätze. Benutzen Sie Verben statt Substantivierungen und Bilder statt Abstraktionen. Üben Sie damit so lange, bis Sie es mit so viel Blickkontakt und so lebendig wie möglich vortragen.

Sichern Sie die Technik im Vorfeld ab

Die Dramaturgie Ihrer Präsentation sollte auch dann funktionieren, wenn die Technik versagt. Was tun Sie bei Stromausfall? Oder wenn keine Ersatzlampe für den Beamer aufzufinden ist?

Die passenden Kleider geben Schutz

Kleider haben viele Funktionen. In einer Präsentation sind sie Ihre schützende Hülle. Suchen Sie sich die Kleider aus, von denen Sie 100% wissen, dass Sie sich darin wohl fühlen. Wenn Sie sie anziehen, dann legen Sie sie wie ein Ritter seine Schutzrüstung an. Kleider sollten bei einer Präsentation immer ein wenig hochwertiger sein als die der Teilnehmer – das zeigt Ihre Wertschätzung dem Publikum gegenüber und unterstreicht Ihre Position.

Geben Sie schlechten Gefühlen keine Chance

Sind wir deprimiert, lassen wir die Schultern hängen. Sind wir ängstlich, ziehen wir den Kopf ein. Sind wir verärgert, wird unser Mund zum schmalen bitteren Strich. Verharren wir in diesen Körperbildern, dann bleiben die schlechten Gefühle. Eine einfache Technik hilft: Stellen Sie sich wie ein Sieger hin und Sie werden erleben: bald fühlen Sie sich wie ein Sieger. Lächeln Sie eine Minute lang – und Ihre Laune wird steigen. Stehen Sie aufrecht und gerade, heben Sie die Brust und blicken Sie nach vorne – die Angst geht und Zuversicht kommt. Finden Sie Ihr eigenes kraftvolles Körperbild. Stehen Sie auf und probieren Sie es so lange aus, bis Sie sich gut fühlen. Merken Sie sich dieses Bild und nehmen Sie es immer ein, wenn Sie Kraft und positive Energie brauchen.

Markieren Sie das Territorium

Ein bekanntes Territorium gibt mehr Sicherheit als ein unbekanntes.  Seien Sie also rechtzeitig am Ort der Präsentation. Laufen Sie ein paar Mal quer durch den Raum und eignen Sie in sich an. Richten Sie den Raum sich so ein, dass Sie sich wohlfühlen. Nehmen Sie nichts als gottgegeben hin. Machen Sie sich das Fremde vertraut. Ändern Sie alles, was Ihnen nicht passt. Prüfen Sie die Medien auf ihre Funktion. Lassen Sie sich Ersatzbirnen geben und die Nummer des Haustechnikers. Stellen Sie ein Glas Wasser vor sich hin. Begrüßen Sie jeden Teilnehmer mit Handschlag und tiefen Augenkontakt - Sie schaffen einen guten Kontakt und zu den Einzelnen. Das ist viel weniger beängstigend als plötzlich vor einer Masse zu stehen!

Magic Moment: Energiebündelung

Präsentieren ist, wie vieles im Leben, ein Geben und ein Nehmen. Sie geben Ihren Teilnehmern Energie und Sie bekommen Energie von Ihren Teilnehmern zurück. Stellen Sie sich als Präsentierender am Anfang immer auf einen zentralen, energetisch hohen Platz. Sprechen Sie so lange nicht, bis alle Blicke auf Sie gerichtet sind. Nehmen Sie den Energieschub dieser Bündelung an und genießen Sie die erhöhte Aufmerksamkeit, die gespannte Stille. Geben Sie nun Ihren Teilnehmern die Energie in Form einer lebendigen und interessanten  Präsentation zurück. Im Wort Präsentation steckt das Wort Präsent, Geschenk. Ihre Teilnehmer schenken Ihnen ihre Zeit, ihr Wohlwollen und ihre Aufmerksamkeit – schenken Sie ihnen  wichtige Informationen und hilfreiche Lösungen.

Überfordern Sie sich nicht – geben Sie einfach Ihr Bestes

Perfektionismus ist ein in unserer Gesellschaft positiv besetzter Begriff. Doch wer Übermenschliches von sich selbst erwartet, kann diese Erwartungen nie erfüllen – schließlich ist er ja nur ein Mensch. Und Menschen machen Fehler. Je reger, je aktiver und je mutiger jemand ist- umso größer die Wahrscheinlichkeit Fehler zu machen. Wer den Mut hat, nach vorne zu gehen und tapfer zu präsentieren, kann Fehler machen und macht sie auch. Wer nur sitzen bleibt, macht auf den ersten Blick keinen. Auf den zweiten einen großen. Denn wahrgenommen werden nur die Mutigen. Spätesten  bei der nächsten Beförderung erhalten sie die Quittung.

 

 








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