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Reichen Sie doch mal die Hand - das ist wahre Macht

Richard Gappmayer

17.11.2016 ·  In unserer perfektionierten Welt herrscht mehr oder weniger ein Business-Krieg. Diese Tatsache wird gern mit Formulierungen wie 'Wettbewerb' oder ' man sollte es sportlich nehmen' kaschiert. Wer den ersten Schritt zur Aussöhnung macht ist schwach. So wird es uns verkauft. Doch wohin führt das? Wir kämpfen an immer mehr Fronten, immer verbissener. Geht es auch anders?

Richard Gappmayer

Richard Gappmayer war mehr als 20 Jahre im nationalen und internationalen Top-Management mit Schwerpunkt Verkauf, Vertrieb und Marketing tätig. Während dieser Zeit machte er zahlreiche persönliche Erfahrungen rund um die Thematik Macht und den richtigen Umgang mit der eigenen Machtkompetenz. 2006 machte er sich selbstständig und gründete das Zentrum für Persönlichkeits- & Organisationsentwicklung. Als Management-Coach, Organisationsberater, Wirtschaftstrainer und Supervisor unterstützt Gappmayer heute hochrangige Führungskräfte. Der Autor ist gefragter Keynote-Speaker und Interviewpartner zu seinen Kernthemen. » http://www.gappmayer-trainings.at

Ich kann es nicht oft genug wiederholen: In unserer globalisierten Wirtschaftswelt herrscht ein Business-Krieg. Mir ist auch bewusst, dass dieses Wort nach wie vor ein Tabu ist. Trotzdem gilt es, den Tatsachen ins Auge zu blicken. Aber eines scheint logisch, auch wenn ein Krieg herrscht, sollten wir unsere Feinde anzahlmäßig so gering wie möglich halten. Einerseits aus moralischen Gründen und andererseits aufgrund des Kräfteverschleißes, der für die Bekämpfung unserer Feinde aufgewendet werden müsste.

Wer ständig am Kämpfen ist und dies schon als Standardmodus seiner Existenz innerlich wie äußerlich führt und lebt, der wird sich seine Laune verderben und ein Griesgram sein beziehungsweise seine Lebensfreude verlieren. Das ist keine gute Voraussetzung für ein gelungenes, gelassenes und erfolgreiches Leben. Denn wer seinen Job nicht grundsätzlich gerne und mit Spaß und Freude macht, der wird in keinem Beruf wirklich gut sein. Genauso sieht es im privaten Leben aus. Wer mag schon Menschen um sich haben, die ständig auf Kampf aus und auf Macht heischenden Krawall gebürstet sind?

Unkontrollierte Konflikte, endlose Kämpfe und offene Fronten führen uns mittelfristig ins Verderben. Menschen, die so agieren, werden gefürchtet und gemieden. Sie vereinsamen und werden immer bitterer, was ihre Machtgelüste ins Unendliche steigen lässt und ihren Durchsetzungswillen um jeden Preis noch erhöht. Irgendwann sind sie dann so verkrustet in ihren eigenen Machtstrukturen, dass sie aus diesem eigenhändig kreierten Machtlabyrinth nie mehr herausfinden. Lassen Sie es nicht zu, dass dies Ihnen auch nur ansatzweise passiert! Die hohe Kunst eines machtvollen Menschen ist es, nach einer Auseinandersetzung auch wieder eine beiderseitige Versöhnung anstreben zu können und dabei einen maßvollen Umgang mit der Macht einzusetzen, um einen nachhaltigen Frieden herzustellen. In solchen Phasen wird meist viel zu schnell gehandelt, geschweige denn strategisch geplant. Sobald die Sonne wieder aus dem düsteren Wolkenband des Kampfes auftaucht, glauben viele Menschen, dass alles wieder Wonne und Heiterkeit ist. Sie geben sich dabei sehr zuvorkommend und überfreundlich. Ob dieses Verhalten beim Gegenüber wieder volles und echtes Vertrauen wachsen lässt, bezweifle ich sehr. Das Gegenüber ist vom vorherigen demonstrativen Machteinsatz ja nun negativ geprägt – Elefantengedächtnis, Sie erinnern sich? – und vermutet nun sofort, dass hier unter dem Deckmantel der Freundlichkeit bereits das nächste Power-game anläuft. Deshalb ist es enorm wichtig, dass auf beiden Seiten gewisse Schritte eingehalten werden. Ansonsten kommt es nur zu einem Scheinfrieden, der beim nächsten Funkenflug bereits wieder unschön eskaliert.

Wer an einer nachhaltigen Wiederherstellung des Friedens interessiert ist, sollte als erstes sich selbst reflektieren und sich fragen: »Welche Schuldanteile an diesem Konflikt habe ich?« Hier müssen wir ehrlich und tapfer in den Spiegel unseres Selbst blicken und unsere eigenen Handlungen und Motive für unser Verhalten schonungslos hinterfragen. Erst wenn dies völlig klar ist, Sie diese tiefe Innenschau abgeschlossen haben und zu einer klaren Beurteilung gekommen sind, können Sie zur nächsten Phase übergehen. Diese sieht so aus: Sie suchen proaktiv das Gespräch mit Ihrem ehemaligen Konfliktpartner und beschreiben Ihre subjektive Sicht der Dinge und das Eingeständnis des eigenen Anteils an der Schuld. Erwarten Sie in dieser Phase nicht sofort eine schnelle Akzeptanz Ihres Gegenübers. In diesem Moment reicht es, wenn dieser die Bereitschaft zeigt, Sie anzuhören. Vergessen wir nicht, es geht jetzt um eine leichte Annäherung, nachdem die Fronten oftmals lange verhärtet waren und Kommunikation gar nicht mehr stattgefunden hat. Es geht auch nicht darum, die eigenen Verletzungen aufzuzeigen, oder um Täterfindung. Den Schuldigen wirklich glasklar zu identifizieren, ist oftmals nicht einmal bei Gericht möglich. Wie soll es dann an dieser Stelle im Alltag stattfinden? Vergessen Sie hier jegliche Fragen, wer denn Schuld hat. Es geht vielmehr darum, sich gegenseitig wieder eine Chance zu geben.

Aus meinem eigenen beruflichen Erleben weiß ich, dass es wichtig ist, sich nicht in Erklärungen zu verlieren und nicht immer auf alles gleich eine Antwort zu haben. Dies führt sehr leicht wieder zu emotionalen Entladungen, und eine Annäherung rückt abermals in weite Ferne. Sinnvoller ist es in dieser Phase, sich nach klarem, kurzem Austausch zurückzuziehen und die Dinge erst einmal sacken zu lassen, auch wenn man vielleicht einige Punkte noch nicht wirklich akzeptieren kann. Es braucht hier einen längeren Verarbeitungsprozess. Das heißt eben auch Zeit, die Dinge in sich entsprechend zu ordnen. Es handelt sich um einen ersten Schritt zur Versöhnung und nicht darum, Kräfte zu bündeln, um neue Gegenangriffe zu starten.

Haben Sie diese Phase geschafft und gibt es in der Zwischenzeit keine Rückfälle in den Kampf oder hin zu neuerlichen Verletzungen, dann ist es Zeit, sich zu entschuldigen. Dies kann natürlich von beiden Seiten angestoßen werden. Bringen Sie klar zum Ausdruck, dass Sie das Vorgefallene bedauern und dass Sie es ernst damit meinen, wieder neu durchzustarten und Vertrauen aufzubauen. Im Idealfall wird Ihr Gegenüber dann bekräftigen, dass es auch ihm ernst ist mit dem Wiederaufbau einer positiven Beziehung. Ihr Gegenüber muss nun verzeihen können. Und zwar im Sinne einer ehrlichen Vergebung. Findet diese nicht wirklich oder nur oberflächlich statt, dann belässt man die Schuld beim anderen und bildet einen neuerlichen Konfliktherd. Hat jedoch eine ehrliche Vergebung stattgefunden, ist der nächste Schritt eine Wiedergutmachung. Es wird etwas angeboten, dass dem Gegenüber auch wirklich nützlich ist und für Sie selbst ein Opfer darstellt. Dies kann eine materielle Entschädigung sein, auch dann, wenn der Schaden Ihres Verhandlungspartners nur ideell oder emotional war. Bei zwischenmenschlichen Themen kann dies der Blumenstrauß oder eine Einladung zum Essen sein. War die Auseinandersetzung sehr stark, muss man vielleicht zu größeren Geschenken oder Aktionen greifen.

Hier geht es nun wieder um die Bereitschaft Ihres Gegenübers, diese Wiedergutmachung auch anzunehmen, falls sie als angemessen angesehen wurde. An dieser Stelle ist es dann auch an der Zeit, den eigenen Schuldanteil endgültig aufzuarbeiten und neu und erstarkt in die Zukunft zu blicken. Am besten besiegelt durch das gegenseitige Versprechen, eine solche kämpferische Situation nie wieder zu wiederholen oder dergestalt eskalieren zu lassen. Nur so kann es zu einem nachhaltigen Frieden kommen. Ist dies vollbracht, gehen beide Seiten daran, diesen Frieden in ihr Leben zu integrieren und in den Alltag überzuführen. Als krönender Abschluss steht dann noch das Vergessen auf dem Programm. Viele Menschen vergeben, aber sie vergessen nicht und verbeißen sich innerlich noch immer in diese Thematik. Das ist kontraproduktiv und schadet allen neuen Vorhaben und Aktivitäten. Es ist von höchster Bedeutung, im Sinne der gelebten Fähigkeit zur Versöhnung, nach einer angemessenen Zeit dieses Thema für immer ruhen zu lassen. Sollte es zu neuerlichen Interessenskonflikten kommen, sprechen Sie diese mit ebenso neuen Energien an, ziehen Sie Rückschlüsse auf das beim letzten Kampf Gelernte, aber gehen Sie argumentativ nicht auf das damalige Schlachtfeld zurück. Dieses ist geschlossen, es ist bereits frisches junges Gras darauf gewachsen. Zertrampeln Sie es nicht, sondern bauen Sie eine neue Strategie auf, wie Sie diesen Konflikt als echter Machtvirtuose dieses Mal diplomatischer lösen. Wenn bei einem neuen Konflikt die alten Wunden nicht mehr aufgerissen und alte Verletzungen nicht mehr als Waffe eingesetzt werden, dann ist die Versöhnung wirklich geglückt. Daran erkennen Sie auch, dass Sie nun als echter Machtvirtuose unterwegs waren, und können sich dazu von Herzen gratulieren.

Sie sehen, Sie sind eindeutig und jederzeit mächtig, Sie müssen sich dieser Tatsache nur richtig bewusst werden. Sie haben jederzeit die Macht, Dinge zu tun oder sie nicht zu tun. Dinge zu sagen oder sie nicht zu sagen. Sie entscheiden, ob Sie in einen Konflikt tiefer hineingehen wollen oder ob Sie doch für die Versöhnung optieren. Sie sind niemals Opfer, sondern aktiver Gestalter Ihres eigenen Machtrahmens. Die Entscheidung, diese Gestaltungsmacht voll anzunehmen und freudig zu leben, liegt in jedem einzelnen Augenblick Ihres Lebens bei Ihnen!

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