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Resilienz – und morgen sind wir unkaputtbar

Ruth Hellmich

07.04.2016 ·  Nachdem krankmachende Stressfaktoren und durch Stress mitbedingte Erkrankungen seit Jahren Gegenstand von Forschung, Wissenschaft und Statistiken sind, rückt seit ein paar Jahren zunehmend in den Vordergrund, was Menschen und Systeme gesund hält. Was macht uns widerstandsfähig und lässt uns belastende Situationen und sogar Krisen weitgehend unbeschadet überstehen?

 Ruth Hellmich

Rechtsanwältin, Erfahrung in Kanzleien und Internationalen Unternehmen. Seit 2001 Trainerin und Coach im Bereich Resilienz, Stress-bewältigung, Gesund Führen, Betriebliches Gesundheits-management, Kommunikation, Konfliktbewältigung.  » http://www.coaching-training.eu

Genau mit dieser Frage beschäftigt sich die Resilienz-Forschung. Resilienz (lat. resilere- abprallen, zurückspringen) beschreibt in Physik und Materialkunde die Fähigkeit eines Materials, nach einer Verformung durch äußere Einwirkung schnell wieder seine ursprüngliche Gestalt anzunehmen. Resilienz ist Thema in Erziehung und Traumabehandlung, in psychologischen Ratgebern und Seminaren, beim Schutz vor Stressbelastung und Burnout, bei der Organisationsentwicklung in Unternehmen, im Klimawandel und in der Sicherheitspolitik.

Jeder Mensch verfügt über eine mehr oder weniger stark ausgeprägte psychische Resilienz, angeboren und erworben, Resilienz ist normal. Wir verlieren nicht bei einem Misserfolg sämtliches Selbstbewusstsein und können auch nach einer Trauerphase irgendwann wieder lachen. Unsere Resilienz ist nicht in Stein gemeißelt, unterliegt Schwankungen und kann themen- und situationsbezogen sein. Resilienz ist zudem trainierbar, wie aktuelle Studien zeigen. Sie muss sogar trainiert werden, denn wir reifen durch Leiden und gehen gestärkt aus bewältigten Krisen hervor.

Von „Stehaufmenschen“ lernen – so stärken Sie das Immunsystem Ihrer Seele

Nach dem Motto „von den Erfolgreichen lernen“ wurden Schutzfaktoren zunächst bei Kindern und später bei Erwachsenen erforscht. Daraus entstanden Programme zum Erlernen genau der Faktoren, die nach Auffassung der Wissenschaftlicher für die Widerstandsfähigkeit der „Stehaufmenschen“ verantwortlich waren. Laut der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) in „Resilienz und psychologische Schutzfaktoren von Gesundheit im Erwachsenenalter“, 2012, ist das australische Programm „Resilience and activity for every day“(READY) das am weitesten verbreitete Programm zur Resilienzstärkung am Arbeitsplatz. Danach bestimmt sich Resilienz durch die Schutzfaktoren: Positive Emotionen, kognitive Flexibilität, soziale Unterstützung, Lebenssinn und aktive Bewältigungsstrategien. Zusätzlich soll zu körperlicher Aktivität motiviert werden, um koronaren Herzerkrankungen vorzubeugen. Die genannten Faktoren haben Unteraspekte, die alle gezielt trainierbar sind und sie setzen nicht an Defiziten sondern Stärken an.

Innere und …

Innere Schutzfaktoren können sich auf kognitive, emotionale oder soziale Fähigkeiten beziehen. Wir können unsere Selbstorganisation, unsere Fähigkeit zu Kommunikation, Konfliktbewältigung, Mitarbeiterführung oder unseren Umgang mit Gefühlen verbessern. Vielleicht möchten wir auch weniger problem- und mehr lösungsorientiert und kreativer denken lernen. Wir können hinderliche Glaubenssätze oder unsere Haltung und Bewertung von Ereignissen überprüfen. Haben wir sinnvolle Ziele im Leben? Bietet unsere Lebensweise eine hohe Übereinstimmung mit unseren Werten? Wie offen sind wir für Veränderung? Wie flexibel, Dinge auch einmal aus der Perspektive eines anderen zu betrachten? Glauben wir in einem realistischen Umfang an unsere Selbstwirksamkeit und wie steht es umgekehrt um unsere Akzeptanz von Dingen, die wir nicht verändern können?

… äußere Schutzfaktoren prägen unsere Resilienz

Möchten wir äußere Schutzfaktoren stärken, vergrößern wir vielleicht unser Netzwerk, lernen andere Menschen kennen oder verbessern die Qualität von Beziehungen. Wir klären familiäre Unstimmigkeiten und stabilisieren den Kontakt zu Partner, Kindern oder Freunden. Ändern Sie gegebenenfalls Kontakte oder Ihre Arbeit, wenn Sie sie nicht als sinnvoll empfinden. Ihr Job mag eine Quelle für schädlichen Stress sein, eine als sinnvoll empfundene Arbeit mit stimmigen Herausforderungen ist jedoch einer der stärksten Resilienzfaktoren. Sind Arbeit und Privatleben einschließlich Kita-Zeiten und Krankheiten von Kindern gut vereinbar? Würden Ihre Freunde Sie auch in Krisenzeiten unterstützen? Wie sieht es mit Hobbys, Sport und Entspannung aus?

Nehmen Sie zur Unterstützung auch das Feedback von Freunden, Kollegen, Vorgesetzten oder professionelle Hilfe in Anspruch. Um Hilfe bitten und Unterstützung annehmen zu können, stellt einen wesentlichen Resilienzfaktor dar. Achten Sie auch auf Lösungs- und Stärkenorientiertheit bei anderen. Denn Stärken stärken stärkt. So erhöhen Sie Ihre Chance für Gesundheit, Lebensfreude und nachhaltige Leistungsfähigkeit.

Weder Unkaputtbarkeit noch „Positives Denken“

Resilienz-Trainings zeigen in Studien positive Effekte. Resilienz als Allheilmittel für sämtliche Herausforderungen unserer Zeit zu sehen, könnte jedoch zu bedenklichen Fehlannahmen führen. Ist der Gestresste der Aufgabenfülle nicht gewachsen, läge es allein an ihm. Er müsste nur seine Resilienz stärken, dann wäre er unkaputtbar. Diese Sichtweise würde dem Geplagten auch noch Aufgabenminimierung, Überstundenabbau, Work Life Balance und Rekonvaleszenz rauben. Ein Paradoxon, denn damit würde Resilienz genau die Verhältnisse stabilisieren, die das Bedürfnis nach Resilienz erst entstehen lassen; der Betroffene würde durch genau das Konzept, das ihm helfen soll, weiter in die Stressspirale hineinbefördert.

Resilienz bedeutet nicht, alle Anforderungen zu erfüllen, sondern auch, die eigenen Zeit- und Energiegrenzen zu akzeptieren und für angemessenen Ausgleich zu sorgen. Was ist daran neu, könnte man sich fragen, wird hier nicht nur geschickt neuer Wein in alten Schläuchen vermarktet? In der Tat finden wir im Resilienz-Konzept einschließlich seiner Modeerscheinung nicht nur Neues. Es gibt Überschneidungen, beispielsweise mit dem Thema Stressbewältigung. Dennoch verdient das – wenn auch nicht immer einheitlich verstandene – Resilienzkonzept einen eigenen Stellenwert. Der ressourcenorientierte Ansatz ist für viele eine willkommene Erinnerung an Schutzfaktoren und Lösungsorientiertheit. Er steht zudem im Zusammenhang mit dem durch Aaron Antonovsky in den 1970er Jahren eingeleiteten Paradigmenwechsel von den krank machenden zu den gesund erhaltenden Faktoren, der „Salutogenese“. Auch ist heute aus den Neurowissenschaften bekannt, dass schon Gedanken an Erfolge und Angenehmes Hirnaktivitäten auslösen, die den Betreffenden in einen ressourcevolleren Zustand versetzen.

„Kneippkur“ für die Seele

Probieren Sie es selbst aus. Die Frage, warum wir wieder drei Wochen nicht gejoggt sind, geht einher mit Schwere und Schuldgefühlen – kein Zustand, aus dem wir freudig in die Schuhe springen und losjoggen. Denken wir stattdessen lösungsorientiert, was wir tun können und was uns darin unterstützt, um bald wieder unser Training aufzunehmen, fühlt sich das für die meisten leichter und motivierender an.

Ein Umdenken von der Problem- zur Lösungsorientiertheit bedeutet nicht, dass „negative“ Gefühle und Gedanken tabu sind. Der resiliente Mensch fühlt auch Trauer, Wut, Enttäuschung usw., und lässt sich durch „positives Denken“ nicht beengen. Er kann auch einmal zusammenbrechen, ist also nicht unkaputtbar. Doch steht er schneller wieder auf und einmal mehr als er hinfällt. Möchten Sie Ihre Resilienz erhöhen, bleiben Sie am Ball und realistisch bei Ihrer „Kneippkur für die Seele“.

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