Sind Sie glücklich? BusinessVillage - Verlag für die Wirtschaft

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Sind Sie glücklich?

Claudia Hupprich

11.07.2013 ·  Glücklich wollen vermutlich die meisten Menschen sein. Aber wer behauptet schon von sich, dass er glücklich sei? Aktuelle Studien zeichnen kein so glückvolles Bild von unserer Arbeitswelt. Der vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegebene Stressreport 2012 nennt innerhalb der letzten 15 Jahren einen Anstieg von 80 Prozent der gemeldeten Arbeitsunfähigkeitstage aufgrund psychischer Erkrankungen. Und das forschungsbasierte Beratungsunternehmen Gallup belegt in einer repräsentativen Studie, das jeder vierte Beschäftigte innerlich gekündigt hat. Glück sieht doch anders aus. Aber wie? Was genau ist Glück, ist das nicht etwas ganz Persönliches, Individuelles? Hat nicht jeder seine ganz eigene Meinung, was Glück ist und was nicht?

Claudia Hupprich

Claudia Hupprich ist Managementberaterin, Business Coach und Geschäftsführerin von consulting @ work. Sie unterstützt seit fast 20 Jahren erfolgreich Menschen, die sich in Veränderungsprozessen befinden oder sich in solchen befinden wollen. Zu ihren Kunden zählen gleichermaßen DAX-Unternehmen, mittelständische Unternehmen und Einzelpersonen. » http://www.consulting-at-work.com

Der Duden definiert Glück wie folgt:

  1. Angenehme und freudige Gemütsverfassung, in der man sich befindet, wenn man in den Besitz oder Genuss von etwas kommt, was man sich gewünscht hat; Zustand der inneren Befriedigung und Hochstimmung
  2. Einzelne glückliche Situation; glückliches Ereignis, Erlebnis

Vermutlich wird keiner dieser Definition widersprechen, aber trotzdem wollen bei mir beim Lesen da keine richtigen Glücksgefühle aufkommen. Hängt Glück nicht von vielen Umständen ab?

Die New Economics Foundation publiziert seit 2006 in regelmäßigen Abständen einen sogenannten „Happy Planet Index“, der die Zufriedenheit der Menschen in unterschiedlichen Ländern anhand der Werte für Lebenszufriedenheit, Lebenserwartung und ökologischen Fußabdruck misst. 2006 lag das Inselparadies Vanuatu auf Platz eins, 2009 und 2012 belegte Costa Rica jeweils den ersten Rang. Deutschland belegt in der aktuellen Studie Platz 46, Österreich 48 und die Schweiz Platz 34.

Es gibt also Menschen, die viel weniger glücklich sind als wir. Das überrascht jetzt erst einmal nicht. Und es gibt Menschen, die anscheinend um einiges glücklicher sind als wir. Das lässt aufhorchen. Für die meisten von uns ist der Gedanke auf der Suche nach dem persönlichen Glück nach Vanuatu oder Costa Rica auszuwandern vermutlich eher unpraktisch. Deshalb ein Blick zurück nach Europa.

Vor kurzem erschien der von der Deutschen Post in Auftrag gegebene „Glücksatlas 2012“. Zusammen mit renommierten Wissenschaftlern wie Professor Bernd Raffelhüschen von der Uni Freiburg und Meinungsforscher Klaus-Peter Schöppner von TNS Emnid wurde in der Studie untersucht, wie sich die Zufriedenheit der Menschen in Europa und auch innerhalb von Deutschland unterscheidet. Ein Ergebnis der Studie ist unter anderem, dass die wichtigsten Glücksbringer Faktoren wie Gesundheit, Partnerschaft und Freunde sind. Aber auch das Einkommensniveau und die Beschäftigungslage tragen zu unserem jeweils individuellen Glücksempfinden bei. Ein Mensch, der seine Festanstellung verliert und arbeitslos wird, wird sicherlich weniger glücklich sein, als ein Arbeitsloser, der in eine Festanstellung wechselt.

Glück hängt jedoch nicht nur von den äußeren Umständen ab, sondern auch von der individuellen Perspektive auf das eigene Leben und der Frage, wie man mit den täglichen Herausforderungen umgeht. Und diese Perspektive hat einen nicht zu unterschätzenden Einfluss darauf, ob man sich innerlich in einer gewissen Balance befindet, beziehungsweise was es bedarf, um diese Balance zu stören.

Zur Zeit macht der Begriff der Resilienz die Runde in der Managementliteratur. Seine Wurzeln hat er in der Werkstoffkunde und beschreibt dort die Toleranz eines Systems hinsichtlich Störungen. Im Rahmen der Managementliteratur bezeichnet er die persönliche Fähigkeit, ein sinnvolles Maß an Gelassenheit im Umgang mit sich, den Mitmenschen und den täglichen Herausforderungen beizubehalten. Menschen mit einem hohen Grad an Resilienz nehmen auch die jeweiligen Herausforderungen wahr. Sie besitzen aber darüber hinaus einen hohen Grad an Flexibilität, der es ihnen ermöglicht, auf das jeweilige Stresspotenzial für sie angemessen zu reagieren. Glück kann also von außen entstehen, entscheidend ist jedoch immer die innere Wahrnehmung und bei dieser haben die meisten Menschen wesentlich mehr Gestaltungsspielraum als sie gemeinhin annehmen. Zum Glück.

Merkmale für Resilienz im beruflichen Alltag

Aus Fehlern lernen. Wer arbeitet, macht auch Fehler. Die wichtige Frage ist jedoch, wie man mit einem einmal gemachten Fehler umgeht. Resiliente Menschen stehen dazu und lernen daraus. So entsteht aus einem gemachten Fehler sinnvolle Erfahrung und damit neues Wissen.

Mit Rückschlägen umgehen. Manchmal schlägt das Schicksal zu: das eigene Projekt scheitert, die angestrebte Beförderung findet nicht statt oder ein wichtiger Kunde wechselt zum Wettbewerber. Resiliente Menschen handeln bei Rückschlägen nach dem Motto: „Hinfallen, aufstehen, Krone richten, weitergehen.“. Sie nehmen entweder ein weiteres Mal Anlauf oder suchen sich ein für sie sinnvolleres Ziel.

Den inneren Kritiker abholen. Jeder kennt die Stimme des inneren Kritikers. Mal ist sie leise und beschwichtigend, mal laut und nervend. Der innere Kritiker kann uns im Alltag unterstützen, oder uns sabotieren. Resiliente Menschen sind sich der Macht der eigenen Gedanken (und damit der Stimme des inneren Kritikers) bewusst und vermeiden Denkfallen. So arbeitet der innere Kritiker mit ihnen, anstatt gegen sie.

Die Handlungszone verstehen. Im beruflichen Alltag gibt es Dinge, die man ändern kann und Dinge, die man nicht ändern kann. Menschen mit einem hohen Grad an Resilienz verwechseln nicht das eine mit dem anderen, sondern erkennen, wann sie tatsächlich etwas ändern können und wann nicht. Und handeln entsprechend.

Sich selbst wertschätzen. Bei all den anstehenden Terminen und Aufgaben bleibt schnell keine mehr für das wesentliche: Sie selbst. Zu viel Arbeit für eine kurze Pause, keine Zeit zum Luftholen, geschweige denn für Familie oder Hobbys? Resiliente Menschen kennen ihre Potenziale, aber auch ihre Grenzen. Sie nehmen sich regelmäßig Zeit für sich selbst, um danach mit aufgeladenen Batterien wieder fokussiert durchstarten zu können.

Die Mitmenschen wertschätzen. Menschen sind vor allem eines, nämlich anders. Was den einen auf die Palme bringt, ruft bei dem anderen nur ein müdes Lächeln hervor. Was für den einen überaus wichtig ist, kann von einem anderen nicht nachvollzogen werden. Resiliente Menschen haben Standpunkte. Diese können von ihnen jedoch auch verlassen werden, um wertschätzend die Position anderer Menschen wahrzunehmen und die Flexibilität im Umgang mit dem eigenen Umfeld zu erhöhen.

 

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