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Sinnosophie

Stefan Dudas

20.09.2018 ·  Den Begriff Sinn verortet man für gewöhnlich in der Philosophie. Sinn ist vielleicht auch noch etwas für Träumer oder Menschen, die nichts mehr müssen ... Doch eigentlich brauchen wir mehr Sinn. Sinn-Kommunikation, Sinn-Marketing, Sinn-Vertrieb ....

Stefan Dudas

Stefan Dudas ist der Sinngeber. Als Keynote-Speaker, Coach und Autor sensibilisiert er berührend, humorvoll und authentisch das Bewusstsein für Sinn – in Unternehmen und unserer Gesellschaft. Als gefragter Autor veröffentlicht er regelmäßig Essays zum Thema Sinn im Business und Leben. Außerdem ist er Dozent an diversen Bildungseinrichtungen in der Schweiz.  » http://www.stefandudas.com

Den Begriff »Sinn« würde man klassisch der Philosophie zuordnen. Ich tue das natürlich auch, allerdings würde ich ihn in der Kommunikation und im Marketing suchen. Das Thema Sinn gehört in jedem zeitgemäßen Unternehmen in die Kommunikation und ins Marketing. Ohne eine Sinn-Kommunikation und ein Sinn-Marketing wird die Geschäftswelt schon bald nicht mehr funktionieren.

Eigentlich ist mein Buch-Thema vermessen. Alle wichtigen Philosophen haben sich am Thema »Sinn des Lebens« schon versucht. Viele dieser alten und neueren Philosophen-Köpfe haben etwas zum Thema geschrieben. Aber die Antwort scheint es nicht zu geben. Tausende Jahre und niemand findet eine praktikable, allgemein gültige Antwort? In der Antike sahen die uns bekannten Philosophen wie Sokrates und Aristoteles den Sinn des Lebens darin, Glückseligkeit zu erlangen. Glückseligkeit wurde als der große Nordstern des Lebens angesehen, dem sich zuzustreben lohnte. Die Definitionen der damaligen Philosophen waren natürlich geprägt von ihrer damaligen Erfahrungsumwelt und ihrer daraus resultierenden subjektiven Sicht auf die Welt (was natürlich auch richtig ist). So meinte zum Beispiel Aristoteles, dass der Mensch wahres Glück nur durch wissenschaftliche Forschung und durch die Philosophie erlangen könne. Im Mittelalter hatte dann die Kirche das Monopol auf die Sinnthematik. Erst ab dem achtzehnten Jahrhundert mit der Entmachtung der Kirchen (was ihre weltliche Macht anbelangte) getraute man sich langsam, die eigene Obrigkeitsgläubigkeit zu hinterfragen. Das Leben wurde nicht länger als Jammertal und Durchgangsstation zu einem besseren jenseitigen Leben betrachtet. Das Schicksal des Einzelnen war nicht Ende der Leibeigenschaft, nicht länger gottgegeben, sondern der aufgeklärte Mensch bekannte sich langsam und dann immer mehr zu seiner Selbstverantwortung. Ich möchte hier keine geschichtliche oder philosophische Abhandlung bringen, das ist nicht der Sinn der vorangegangenen Zeilen. Mein Ziel ist einfach, die Schwelle etwas herunterzusetzen. Denn oftmals getraut man sich gar nicht über das Thema »Sinn« zu sprechen, da man meint, nur Philosophen und Theologen hätten dazu das entsprechende Rüstzeug. Haben sie vielleicht auch. Aber wie schon gesagt haben auch Sinnexperten in den letzten Jahrhunderten nicht die ultimative Lösung gefunden.

Keine Sorge. Ich maße mir nicht an, dass ich den heiligen Gral des Sinns gefunden habe. Ich denke aber, dass man diese Frage alternativ auch ganz pragmatisch anschauen kann. Eine häufige Antwort, die mir gegeben wurde auf die Frage, was der Sinn des Lebens sei: »Das zu tun, was mir wichtig ist. Das ist der Sinn im Leben!« Klingt das gut? Richtig gut? Spannend. Viele Menschen würden diese Antwort auf diese so wichtige Frage geben. Aber weißt du was? Die meisten Menschen machen nicht, was ihnen wirklich wichtig ist. Zumindest gilt das für den Großteil ihrer Lebenszeit (ich weiß, wir zwei sind da eine glückliche Ausnahme).

Gesundheit ist den meisten Menschen zum Beispiel sehr wichtig. Laut einer GfK-Studie ist es über dreiundsiebzig Prozent der Deutschen wichtig, bis ins hohe Alter gesund zu bleiben. Wäre es also sinnvoll sich mit Gesundheit, Sport und gesunder Ernährung zu befassen? Nein, nicht nur sich zu befassen, sondern auch entsprechend handeln wäre sinnvoll. Im Zeitalter von Tiefkühlpizza für 98 Cents und Energydrinks scheint dies aber schwieriger als in Vorzeiten, in denen man notgedrungen nur frisch auf dem Markt einkaufen konnte und auf Fleisch sowieso verzichten musste, weil es einfach für die meisten zu teuer war.

Das Hauptproblem heute ist, dass die allermeisten Menschen keinen Plan haben. Keinen Plan, wie man sich gesund ernähren könnte, keinen Plan, wie die Arbeit erfüllter sein könnte, und auch keinen Plan vom Leben. Die Sinnfrage im Leben für sich zu klären ist also praktische Lebenskunst und garantiert nicht theoretische Philosophie. Denn der Sinn, dein Sinn des Lebens entscheidet, ob du irgendwann mit Wehmut, mit Wut oder in Dankbarkeit auf dein Leben zurückschaust. Nein, nicht nur da ist der Sinn spürbar. Sondern jeden einzelnen Tag bis dahin. Jeden einzelnen Tag bis dahin hast du die großartige Chance, das Buch deines Lebens selbst zu schreiben und nicht durch andere schreiben zu lassen. Dies bedingt, dass du den Sinn selbst definierst. Nicht durch Philosophen, Gurus, Wunderheiler oder durch ein übersinnliches Medium. Das führt uns zu einem entscheidenden Zwiespalt: Definiere ich alleine, was für mich Sinn macht, oder schaue ich, was die Allgemeinheit da draußen für sinnvoll erachtet? Denn wir vergleichen uns immer mit anderen und wenn man nicht so wie die Masse da draußen tickt, ist man anders und gehört nicht dazu.

Das zu tun, was uns wichtig ist – und Spaß macht. Das wäre es doch. Aber wie erreiche ich dies? Das ist doch bestimmt nicht einfach. Klar ist es das. Ich gebe dir gleich zehn ultimative Erfolgsschritte! Lies hierzu einfach weiter.

Vergiss alle Erfolgsregeln

»Den ultimativen Durchbruch im Zwei-Tages-Seminar! Über Nacht reich durch dieses Zehn-Schritte-Programm! Glaub an dich und du kannst alles erreichen!« All das und noch viel mehr wird dir immer und immer wieder versprochen. All das ist extremer Bullshit.

Ich darf das sagen, da ich selbst Insider dieser Seminar- und Coachingbranche bin. Aber eigentlich hat die Coachingbranche sehr viel mit einem anderen Wirtschaftsbereich zu tun, den ich ebenfalls sehr gut kenne: der Werbebranche. In beiden Bereichen gilt der Satz: Gib den Menschen das, was sie sich wirklich wünschen. Der ideale Zustand ist, wenn sie sich etwas sehr wünschen, aber doch nie in die Umsetzung kommen. Dann finden sich diese Menschen (deine Kunden) in den immer gleichen Seminaren und Motivationskongressen wieder. Ich war selbst vor über fünfzehn Jahren in einem Massen-Motivationsevent als Teilnehmer (ich war jung …) dabei. Als es fertig war, nahm ich ein Taxi zurück zum Hotel. Die Taxifahrerin sprach mich dann plötzlich an:

»Ich war auch am Motivationstag! Ich bin vor einer halben Stunde schon gegangen, damit ich jetzt wieder arbeiten kann. War großartig. Wie jedes Mal.«
»Wie jedes Mal?«, fragte ich.
»Ja, ich gehe jedes Mal zu diesem Trainer, wenn er in der Stadt ist«, meinte sie sehr stolz.
»Aha. Hat es Sie denn schon weitergebracht?«, frage ich.
»Das kann man nicht so einfach sagen. Da muss man immer dranbleiben. Ich mache mir wenigstens Gedanken im Gegensatz zu denen da draußen.«

Mich hat diese Aussage damals sehr nachdenklich gemacht. »Die da draußen.« Geht es darum? Geht es darum, besser zu sein als die da draußen? Ja. Klar. Es geht darum, etwas mehr zu wissen oder noch besser: etwas zu können, was andere nicht können. Wenn ich nichts Großartiges kann, dann muss ich etwas lernen, was man nicht beweisen kann. Was meinst du, warum so viele spirituelle Ausbildungen angeboten werden? Von Krankheiten heilen, Auralesen, seinen Geistführer kennenlernen, bis zu Gesichterlesen und erkennen, ob jemand lügt oder nicht. Ich möchte diese Themen absolut nicht werten. Aber alle diese Themen gehen in das Feld rein, dass man etwas kann, was der andere nicht überprüfen kann. Sollte ich nicht daran glauben, dann bin ich eben in meiner Entwicklung noch nicht so weit. Autsch. Dann bin ich abgestuft und die andere wissende Person ist wertvoller. Hier würde die Checkliste der ultimativen Zehn-Schritte-Formel für mehr Selbstwertgefühl helfen. Du findest sie garantiert dutzendfach irgendwo im Internet.

Ironischerweise möchte ich dir jetzt doch noch einen wichtigen Erfolgstipp geben: Glaube keinem Guru! Instant-Lösungen sind verlockend – aber halten nie, was sie versprechen. Genau wie Tiefkühlpizza. Die ist vermeintlich billig und schnell gemacht. Beißt man dann allerdings rein, erkennt man schnell, dass selbst gemacht viel besser und spannender schmecken würde, und es wird einem schlagartig bewusst, was man in Wirklichkeit gerade in den Mund geschoben hat: Junkfood.

Gibt es einen Ausweg? Ja. Suche dir jemanden, der es vorgemacht hat. Der da ist, wo du hinwillst. Der so denkt und handelt, wie du dir das vorstellst. Dann verpflichte dich! Suche dir einen Mentor, der dich über einen längeren Zeitraum begleitet. Weil es sonst so viel Ablenkung in deinem Leben gibt, dass du die Umsetzung wieder vertagst.

Kleines Beispiel aus meinem Leben? Ich bin heute vor genau acht Wochen Vater geworden. Ein großartiges Ereignis. Genau heute in siebenundfünfzig Tagen muss ich das Manuskript für dieses Buch abgeben. Vertraglich mit dem Verlag geregelt. Ich gebe es offen zu: Hätte ich keinen Vertrag (und damit kein Enddatum), würde das Buch erst viel später erscheinen. Warum? Weil es jetzt gerade nicht gut passt. Aber weißt du was? Es passt eigentlich nie gut. Es ist immer etwas. Genau darum braucht es starke Verpflichtungen. Entweder verpflichtet dich ein Vertrag, ein guter Coach oder sonst eine Person. Dann wirst du plötzlich fokussiert arbeiten und die ganzen Artikel auf Facebook, wie man in drei Wochen zum eigenen Buch kommt, oder noch besser Zehn-Schritte-zum-Bestseller-Autor einfach ausblenden.

Ich war ja früher auch mal so. Da habe ich auch ultimative Formeln weitergegeben. Über die Jahre habe ich aber bemerkt, was mich persönlich immer extrem weitergebracht hat. Das waren keine Instant-Erfolgsformeln, keine kostenlosen Online-Challenges oder Gratis-E-Books. Das waren beeindruckende Persönlichkeiten, die sich für mich Zeit genommen haben. Mit denen ich an mir, meiner Positionierung und meinem Geschäftsmodell gearbeitet habe.

Kein Instant-zehn-Schritte-Plan kann dir deinen Lebenssinn aufzeigen. Du kannst ihn nur selbst – oder mit jemandem zusammen – erarbeiten und erfahren. Es geht meist nicht über Nacht, aber schneller als man oft vermutet. Dass es so viele Angebote in Richtung Selbstverwirklichung gibt, zeigt uns genau, dass das Thema Sinn absolut aktuell ist und die Zeit dafür mehr als reif ist. Jetzt müssen wir es noch schaffen, nicht nur coole Tools zu erwarten, sondern ernsthaft, aber mit Spaß an dieses Thema heranzugehen. Eigentlich muss es jedem Menschen ein Anliegen sein, sich über den Sinn seines Privat- und Business-Lebens Gedanken zu machen. Denn Sinn ist das Fundament. Hat man dieses Fundament richtig gebaut, hat man automatisch den Antrieb und die Disziplin, daran zu arbeiten. Dann überwindet man auch Ängste, die vor der Veränderung des Lebens kommen können. Aber wenn man weiß, warum man etwas tut, entwickelt man ein inneres Feuer. Man wird selbstsicherer (weil man ja weiß, was man will) und ist sich auch seines Wertes bewusst (Selbstwertgefühl). Dann kann echtes, selbstbestimmtes Leben erst beginnen. Nein, ich habe nicht gesagt, dass der Weg ein einfacher sein wird. Aber ich sage, dass sich dieser Weg auf jeden Fall lohnt. Garantiert.

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