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Vorsicht! Anglizismen, Neusprech, Akronyme

Susanne Siekmeier

17.01.2013 ·  Neusprech, Fachbegriffe, Fremdwörter werden gerne ind die Korrespondenz eingebaut. Das verleiht doch eine gewisse Fachkunde und ist irgendwie schick aber kann regelmäig nach hinten losgehen. Susanne Siekmeir zeigt Ihnen wie Sie gekonnt mit Anglizismen, Akronymen und Fachchinesisch umgehen und all zu ausschweifende Verbalakrobatik vermeiden sollten.

Susanne Siekmeier

Susanne Siekmeier ist Expertin für Büroorganisation. Sie berät Unternehmen bei der Optimierung von Arbeitsabläufen im Büro und Sekretariat. Die Eventmanagerin ist auch als Dozentin tätig. » http://www.susanne-siekmeier.de

Fremdwörter stellen uns immer wieder vor besondere Herausforderungen. Man kann sie verkehrt buchstabieren, ihre Bedeutung fehlinterpretieren, sie falsch aussprechen und vor allem kann man sie leicht verwechseln. Benutzen Sie nur die Fremdwörter, die Sie richtig buchstabieren und aussprechen können und deren Bedeutung Sie und Ihr Adressat kennen.

Das Wort »Authentizität« kommt aus dem Griechischen und bedeutet Echtheit, Rechtsgültigkeit (Duden, 25. Auflage). Es ist ein richtiges Modewort geworden. Um die Glaubwürdigkeit eines Menschen zu beschreiben, wird fast immer das Adjektiv »authentisch« benutzt. Aber achten Sie mal darauf, wie oft das Substantiv dann falsch, und zwar als »Authentität« gebildet wird.

Anglizismen und »Neusprech«

Bei Anglizismen ist Vorsicht angezeigt. Es hat sich heutzutage eingebürgert, dass sehr viele englische Begriffe eingedeutscht werden. Nehmen wir zum Beispiel den Begriff »canceln«. Viele Geschäftspartner, mit denen ich beruflich zu tun habe, canceln einen Termin, ihren Flug oder eine sonstige Reservierung. Doch wie heißt es dann? Ich habe meinen Flug gecancelt? Richtig geraten. Mittlerweile ist dieses Wort sogar im Duden zu finden und das Rechtschreibprogramm meines Computers unterkringelt dieses Wort auch nicht mehr. Schriftlich können Sie auch straflos managen und downloaden. Man sagt übrigens im Perfekt »gedownloadet« und nicht »downgeloadet« – anders als beim »outsourcen«, wo es »outgesourct« und nicht »geoutsourct« heißt. Hier merkt man schon, dass es uns Fremdwörter, die uns in der Teeküche schnell von den Lippen kommen, bei der Korrespondenz nicht gerade einfach machen.

Oftmals klingt ein deutscher Begriff ohnehin sympathischer. Nutzen Sie die Verben »absagen« oder »stornieren« statt »canceln«. Das Schreiben wirkt eleganter, wenn von einem »abgesagten Termin« oder »stornierten Flug« die Rede ist. Sagen Sie lieber »heruntergeladen« als »gedown-loadet«, es bedeutet dasselbe und liest sich flüssiger.

Inzwischen gibt es sehr viele Anglizismen, die eingedeutscht worden sind und Einzug in den Duden gehalten haben:

  • Backoffice (Büro im Hintergrund)
  • Branding (Entwicklung von Markennamen)
  • Charts (Hitliste)
  • downloaden (herunterladen)
  • Event (Veranstaltung)
  • Facility-Management (Betreuung und Überwachung von Gebäuden)
  • Flyer (Handzettel, Faltblatt)
  • Full Service (alles aus einer Hand)
  • Give-away (kleines Werbepräsent)
  • Key-Account-Manager (Vertriebsspezialist, der besonders wichtige Kunden betreut)
  • Lifestyle (Lebensstil)
  • Meeting (Besprechung)
  • Password (Kennwort)
  • Pay-back-Karte (Kundenkarte)
  • Shareholder-Value (Nutzen, Gewinn oder Rendite der Aktionäre)
  • Soft Skills (Soziale Kompetenzen)
  • Workflow (Prozessorientierte Ablauforganisation)

Verben, die sich noch nicht komplett eingebürgert haben, sind noch viel delikater zu behandeln. Eine Sache »händeln« oder »handlen«? Das Handling kennt der Duden schon, das Verb noch nicht. Das Change-Management (im Duden verzeichnet) hat über die Personalabteilungen Einzug in die Firmenkultur gehalten und das Verb »changen« hervorgebracht. Dieses findet sich nicht im Duden und bedeutet ohnehin nichts anderes als »verändern«. Sagen Sie also besser gleich »verändern«.

Richtig dünn wird das Eis also dann, wenn Sie von Modewörtern aus dem aktuellen Management-Denglisch Gebrauch machen. Es geht noch schlimmer: Der »Slogan«, ein seit Langem gut eingeführter englischer Begriff, ist vielen schnittigen Entscheidern heute nicht mehr englisch, sprich unverständlich genug. So setzt sich zurzeit der »Claim« als neue Bezeichnung für »Slogan« durch. Ich will mich an dieser Stelle nicht darüber beklagen, wie Sprachdemontage aus reiner Geltungssucht betrieben wird. Fakt aber ist: Ein Claim ist kein Slogan, sondern ein Anspruch, meist ein Rechts- oder Patentanspruch. Ihr Adressat kennt den Claim vielleicht am ehesten aus dem Wilden Westen, wo jemand Land absteckt, um Gold zu schürfen. Der Gebrauch unzutreffender und schlimmstenfalls hermetisch oder gar idiotisch klingender Vokabeln wird häufig als ungezogen empfunden und fällt auf Sie, den Autor, zurück. Die Angelsachsen bezeichnen solche Begriffe übrigens als Buzz-words, Summwörter. Viel mehr als summen tun sie tatsächlich nicht.

Am größten ist die Gefahr jedoch, wenn Sie sich an Redewendungen vergreifen, ob englische oder gar solche aus dem klassischen Kanon. Nie werde ich vergessen, wie ein Marketingleiter – ein fachlich hervorragender und sehr ehrgeiziger Mann – ständig etwas »aufs Trapez bringen« wollte. Schon stand er vor meinem geistigen Auge in kurzen Hosen da und schrieb fünfzig Mal auf sein eigenes Whiteboard: »Ich werde nie wieder ›Trapez‹ sagen. Es heißt: aufs Tapet bringen!« Sein Vorgesetzter, ein gewinnender Vollblut-Manager, berichtete mir, er habe etwas »cora publicum« gesagt. Ich rechne ihm hoch an, dass er sich für die korrekt deklinierte Version ausdrücklich bedankt hat, nämlich »coram publico«. »Ich mache mich ja unmöglich, wenn ich vor meinen Mitarbeitern so rede«, gab er freimütig zu. Und was für das Reden gilt, das gilt erst recht fürs Schreiben.

Achten Sie also auf das Gelände, auf das Sie sich mit dem Einsatz von Fremdwörtern begeben. Es ist absolut in Ordnung, sie zu benutzen, solange Sie selbst und Ihr Gegenüber mit ihnen vertraut sind. Aber Sie begeben sich in gefährliche Fallhöhe, wenn Sie der Versuchung erliegen, mit ihnen zu blenden. Si tacuisses, philosophus mansisses: Hättest du geschwiegen, wärest du ein Philosoph geblieben, wusste schon Boethius (475 – 525).

Fachsprache

Auch der Gebrauch von Fachsprache ist ein heikles Thema. Achten Sie darauf, Ihren Korrespondenzpartner nicht mit zu vielen Fachbegriffen zu überfordern. Überlegen Sie, ob Sie mit einer Umschreibung den Brief leserfreundlicher gestalten können. Da Sie außerdem nicht wissen, ob der Brief nicht nach oben weitergeleitet wird, schreiben Sie besser verständlich auch für Nicht-Experten. Denn das Expertentum nimmt in den Chefetagen dramatisch ab.

In einem internen Brief dürfen Sie selbstverständlich branchenübliche Fachbegriffe benutzen. Das gleiche gilt auch, wenn Ihre Geschäftspartner in der gleichen Branche tätig sind wie Sie. Auch hier können Sie »Fachchinesisch« anwenden.

Schreiben Sie dagegen an einen Geschäftspartner, der von Ihrer Branche kein tieferes Verständnis haben kann, dann verbietet sich ein solcher Stil, denn sonst wird Ihr Brief nicht unbedingt gern gelesen. Wenn Fachbegriffe nicht zu vermeiden sind, dann erklären Sie diese mit einfachen Worten. Sie können die Bedeutung entweder in Klammern hinter das Wort schreiben oder mit * arbeiten.

Akronyme

Akronyme sind Abkürzungswörter. Der Duden definiert ein Akronym als Kurzwort, das aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter zusammengesetzt wird. Zum Beispiel: ADAC: Allgemeiner Deutscher Automobil Club.

Akronyme, die allgemein bekannt und verständlich sind, wie EDV, NATO, PIN oder TÜV, müssen nicht erklärt werden. Akronyme, die neu oder unverständlich sind, sollten alleine aus Gründen der Höflichkeit erklärt werden. Kürzlich las ich die Abkürzung: AYLit. Glücklicherweise war dies mit »As you like it« (Wie es dir gefällt) erklärt worden. Natürlich bleibt in diesem Fall die Frage offen, warum ein unbekanntes Akronym überhaupt verwendet wird, wenn man es ohnehin anschließend wortreich erklären muss. Sinn eines Akronyms ist ja gerade, dass es kürzen statt aufplustern soll.

Im Internet werden sehr viele Akronyme verwendet. In der schnellen und unbürokratischen Kommunikation der jungen Generation wird dadurch viel Zeit gespart. Die meisten Akronyme basieren auf englischen Begriffen, deren Bedeutung zum Teil wie Vokabeln gelernt werden muss:

LOL – Laughing out loud (laut lachend)
ROFL – Rolling on (the) floor laughing (vor Lachen über den Boden rollend)
YMMD – You made my day (Du hast meinen Tag gerettet)

OMG – Oh my God! (Oh, mein Gott!)

Dies sind Codes, die überwiegend der privaten Korrespondenz entstammen und geschäftlich nicht genutzt werden. Aber in den offiziellen Mailverkehr haben sich mittlerweile einige Akronyme eingeschlichen, die ursprünglich zum Meinungsaustausch in Foren und Wikis genutzt wurden:

AFAIK – As far as I know (soweit ich weiß)
BTW – By the way (übrigens)
IMHO – In my humble opinion (nach meiner unmaßgeblichen Meinung)
NPOV – Neutral point of view (neutraler Standpunkt)

Fester Bestandteil der Unternehmenssprache sind vielerorts Bezeichnungen wie

FAQ – Frequently asked questions (Häufig gestellte Fragen)
CUG – Closed user group (geschlossene Benutzergruppe)

oder Wendungen wie

FYI – For your information (zu Ihrer Information)
HTH – Hope that helps (ich hoffe, das hilft Ihnen)

Gewissermaßen schließt sich mit dem vermeintlich hypermodernen FYI wieder ein Kreis, da dieses Kürzel in der Bedeutung exakt dem völlig veralteten Akronym »z. g. K.« entspricht. Nur wenige wissen noch, was diese Aktennotiz bedeutet: Sie steht für: »zur gefälligen Kenntnisnahme«.

 

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